Goldener Herbst

Der Artikel heute ist recht lang geworden, da aufgrund der vielen Aktionen und meiner Diplomarbeit ein wenig die Zeit zur regelmäßigen Pflege der Seite fehlt. Also bitte entschuldigt und wir geloben Besserung!  😉

Goldener Herbst

Die letzten Zuckungen des Sommers sind nun längst vorbei und auch der goldene Oktober zieht sich so langsam zurück und lässt der manchmal schon winterlichen Nachtluft freie Bahn. Es ist ein wunderschöner, ja traumhafter Herbst. Die bunten Blätter leuchten in der Herbstsonne und der morgendliche Nebel verkündet das heran nahende Ende eines aufregenden Jahres. Aber verbleiben uns zwei Monate Zeit noch einmal das Beste herauszuholen. Aber nun erst einmal zu den Ereignissen des letzten Monats:

Die Idee des Mistbeetgewächshauses

Wir hatten euch ja von unserem traurigen Gewächshaus-Erlebnis berichtet und wollten uns davon aber nicht unterkriegen lassen. Also wieder das gleiche Spiel wie jeden Morgen: Kleinanzeigen durchforsten und Ebay abgrasen. Der Radius den wir zu fahren bereit waren, erweiterte sich auf 200 Kilometer. Und siehe da, nahe Stuttgart verkaufte jemand ein altes Glasgewächshaus. Zwar waren ein paar Scheiben zerbrochen aber das sollte uns nicht davon abhalten endlich die Pflanzen ins Warme zu bringen. Das erste Telefonat war sehr nett und die Dame wollte sich bei uns melden, wenn die anderen Interessenten absagten oder ablehnten. So geschah es dann auch und wir vereinbarten einen festen Termin an dem wir kommen und es abbauen wollten. Wir waren so euphorisch, dass wir gleich 30qm dicke Noppenfolie bestellten, um das Glashaus im Winter einpacken zu können und die Wärme-Effizienz des Mistbeetes innerhalb zu erhöhen.

Auf der Alm gab es nur Kuhmist. Es funktioniert aber fast ebenso gut wie Pferdemist.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten ein Gewächshaus über den Winter frostfrei zu halten. Da Benni schon viel Erfahrung mit dem Anlegen von Mistbeeten gesammelt hat, wollten er eines für das Gewächshaus anlegen. Es funktioniert mittels Wärme erzeugender Gärung im Boden. In ca. 50 cm Tiefe wird auf mindestens 20 cm Höhe Pferdemist geschichtet und dieser gut mit Wasser getränkt. Die duftende Brühe muss dann ein bis zwei Tage an der Luft durchziehen bevor alles wieder mit guter Gartenerde bedeckt wird. In die Gartenerde kann noch Komposterde eingearbeitet werden, falls man stark zehrende Pflanzen im kommenden Jahr dort setzen möchte. .

Was ist das Mantra eines Gärtners? „Mehr Pferdemist, mehr Pferdemist, mehr Pferdemist….“ Ja, es gibt Menschen die reagieren geradezu euphorisch beim Anblick von einem riesen Haufen SCHEISSE! Mehr Pferdemist für alle! ;-.

Aber weiter im Text. Über dem Beet baut man das Gewächshaus auf (umgedreht geht logisch auch), packt es komplett in 3-wandige Noppenfolie ein und fertig ist ein frostsicheres Häuschen.

Keine ahnt, dass in diesen Beeten mindestens 10 Schubkarren Kuhmist vor sich hin gären. Die Mistbeete verlängern auf 1600 Meter die Vegetationsperode der Gemüsepflanzen deutlich.

Ok, bei minus 20 Grad kann es dann doch mal frostig werden ABER dagegen können ein paar zusätzliche Grabkerzen helfen. Das war unser Plan für die Chilis, denn dann ging doch wieder alles daneben. Am Tag vor dem vereinbarten Termin riefen wir nochmals an, um eine Uhrzeit zu vereinbaren. Doch der Typ am Telefon war sehr kurz angebunden und tat so als wüsste er nicht wovon wir da reden. Gewächshaus? Nein, sie hätten kein Gewächshaus. ??????? Häh???????

Dann stellte sich heraus, dass sie es vor ein paar Tagen an jemand anderen verkauft hatten. Da waren wir ziemlich sprachlos und misshandelten wütend den armen Telefonhörer. Wieso? Warum? ????Häh???? Aber dann kamen wir auf die Idee warum wir so abgefertigt wurden. In der Anzeige stand ein Preis von 80 Euro. Nicht viel für ein Glasgewächshaus, im Gegenteil, ein Schnäppchen! Und genau da liegt der Hund begraben. Wahrscheinlich bot jemand mehr als wir und bekam kurzerhand den Zuschlag. Und da wir weit genug weg wohnten, war die Wahrscheinlichkeit gering dass wir sauer und angepisst aufkreuzen und eine Szene machen würden.

Also wieder nix mit einem Gewächshaus. Vielleicht gehen wir nächstes Jahr nun doch dazu über selbst eines zu bauen aber bis dato ist´s erst einmal vorbei.

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Bonchi´s

Wer kommt drauf was ein Bonchi ist? Nein, kein Haustier und auch nichts zu essen. Obwohl letzteres recht nahe liegt.

Bonchi´s vor 2 Wochen, heute haben alle schon wieder kleine Blätter

Da die Gewächshausblase platzte, musste für die Chilis eine andere Lösung her. Schließlich will Benni kommendes Jahr nicht wieder vom Samen an beginnen. An jeder Pflanze hängt rührend sein Herz. So eine intensive Pflege bekommen wohl nur wenige Chilipflanzen auf der Welt.

Aber wohin mit ca. 20 großen Pflanzen, die alle reich tragen und schon wieder die nächsten Blüten bilden? Die Wohnung gleicht eh schon mehr einer gemütlichen Dschungel-Lagerhalle für Werkzeug, Holz, Kräuter und Saftkartons, verziert mit jeder Menge Pflanzen. So blieb nur die Möglichkeit das Pflanzenregal aufzustocken und die Chilis rigoros zurück zu schneiden. Zuerst die Früchte zum trocknen in den Trockenschrank, dann Schnitt der oberirdischen Pflanzenteile und schließlich Schnitt der Wurzel. Die Größe des Topfes verringerte sich von einem Durchmesser von 40-50 cm auf 10 cm. Dann folgte die furchtsame Zeit des Wartens und der Fragen. Treiben die Pflanzen wieder aus? Bilden die Ableger Wurzeln? Warum wirft die Bhut Jolokia alle Blätter ab?

Aber schnell wurde Benni für seine aufopfernde Pflege belohnt. Jede

Bonchi erholte sich und treibt nun neue Blätter. Sie sind nicht wieder zu erkennen. Aus dem Chiliwald des Balkons wurde eine Reihe zarter Bonsaipflänzchen.

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435 kg

Wir berichteten euch ja schon über unseren Einsatz bei der Apfelernte. Wie viele Bäume Benni dieses Jahr schon erkletterte ist nicht mehr zu zählen. Neben den Äpfeln die wir von Ildi´s Opa mitbrachten, ernteten wir hier in Augsburg und Umgebung noch ein Vielfaches davon. Teilweise ernteten wir wilde Bäume ab und teilweise halfen wir Menschen bei ihrer Obsternte und erhielten einen Teil der Ausbeute als Lohn. So stapelten sich im Keller die Kisten und Stiegen mit den verschiedensten Apfel- und Birnensorten.

Zur Verarbeitung brachten wir sie mit einem geliehenen Auto und Hänger nach Thierhaupten zur Mosterei des Obst- und Gartenbauvereines. Es war ein aufregendes Ereignis. Wie viel Obst hatten wir gesammelt und wie viel Saft würde herauskommen? Unsere Schätzungen beliefen schwankten zwischen 200 und 300 kg. Als wir endlich unsere Kisten in die Waage kippen konnten, war das Staunen nicht schlecht: 435 kg Äpfel und Birnen hatten wir gesammelt! (!!!An dieser Stelle vielen Dank an alle die uns dabei unterstützten, ob mit Muskelkraft oder Äpfeln!!!) Daraus ergaben sich 265 Liter Saft, die wir in 5 und 10 Liter Kartons abfüllen ließen. Das Verfahren der Saftgewinnung konnten war gut zu verfolgen, vom Pressen bis zum Abfüllen konnten wir unseren Saft begleiten.

Da die Safterzeugung nicht kostenlos war, beschlossen wir einen Teil des Saftes zu verkaufen. Unter anderen kaufte die Gesellschaft für Integration einige Packen für das Herbstfest im Interkulturellen Garten in Augsburg. Für alle die diesen nicht kennen: der Garten befindet sich im Kulturpark West zwischen Kantine und Abraxas, hinter der Halle am Weg. Hier bewirtschaften Menschen aus über 20 Nationen kleine Parzellen in einem offenen Garten.

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Wenige Wochen nach dem ersten Mosttermin ergaben sich wieder Möglichkeiten Obst zu holen. Unter anderem half Benni den betagten Nonnen eines Altenstift´s bei ihrer Ernte. Die Äste der alten Hochstämme, deren Höhe um die 15 Meter lag, waren für die Schwestern unerreichbar. Umso erfreuter waren sie über die Hilfe.

Auch lernten wir vor Kurzem Martin kennen, der einen schönen großem Garten in Augsburgs Norden besitzt. Bei ihm dürfen wir auch unsere jungen Apfelbäumchen zwischenlagern, bis sie ein neues zu Hause bekommen. Martin und Benni retteten die Schößlinge von einem Grundstück auf dem im kommenden Jahr Baumaßnahmen beginnen sollen.

So ergab es sich, dass erneut ein Mosttermin anstand und wir unsere zweite Ernte zusammen mit Martin pressen lassen konnten. Noch einmal ergaben sich einige Kartons sehr süßen, leckeren Safts.

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Herbstfrüchte

Vor einiger Zeit fragte uns jemand was wir denn am Abend täten, da wir ja keinen Fernseher hätten und uns nicht vor die Glotze setzen könnten (ach wie schlimm…). Unsere Abende sehen oft sehr bunt und abwechslungsreich aus. Klar läuft auch ab und an mal ein Film oder eine Serie auf dem Rechner aber man kann die Zeit auch sinnvoller nutzen, als sich einfach nur stumpfsinnig beschallen zu lassen.

Hier ein kleiner Auszug unserer Abendbeschäftigungen: gesammelte Hagebutten aufschneiden, auskratzen und trocknen (Scheißarbeit und wehe man setzt sich mit den Klamotten danach aufs Bett. Warum? Erinnert euch mal wozu wir früher die Hagebuttenkerne verwendet haben – Juckpulver), Löcher in Kastanien, Eicheln, Nüsse, … bohren um sie für Kinderbastelaktionen nutzen zu können, Früchte einkochen und sonstwie verarbeiten und trocknen, Sanddorn von stacheligen Ästchen pulen, Salzteigknete ausprobieren, Dinge bauen die wir mit Kindern basteln wollen, Gartenbücher wälzen, und und und. Wer uns schon einmal besucht hat weiß, dass es immer genug für alle zu tun gibt, die gern etwas tun wollen.

Zucchinischwemme

Zudem haben wir diesen Herbst viele Umweltbildungsveranstaltungen mit Kindern. Vom Feengeburtstag bis zur Abenteuerwanderung an der Wertach ist alles dabei. Dafür muss auch immer einiges vorbereitet werden.

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Nun wollen wir euch noch unsere Zucchinischwemme zeigen. Es waren mehrmals derart viele, dass wir sie in alle Windrichtungen verteilten. Wie man sieht, ist Benni sehr stolz auf seinen Zucchiniberg. Auch viele, teilweise außergewöhnliche Kürbisse finden den Weg zu uns, sodass wir im kommenden Jahr eine bunte Kürbisauswahl anbauen können.

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Grundstück

Aber bevor wir irgendwas anbauen können, fehlt es noch immer am Nötigsten, dem Grundstück.

Unsere letzte Anfrage betraf den Kulturpark West in der Reese Kaserne in Kriegshaber. Von der Lage her wäre es optimal, Straßenbahnanbindung und keine direkten Nachbarn. Zumal das Gelände der alten Kaserne riesig ist. Daher dachten wir es müsse sich doch ein Eckchen für und finden lassen. Aber auch hier ist das Problem der Bodenverseuchung ein großes Thema. Die meisten der Flächen sind zum Gemüseanbau nicht geeignet, da Blei und Quecksilber im Boden sind. Selbiges Problem hatte auch der Interkulturelle Garten, von dem weiter oben die Rede war. Doch fand sich dafür ein Stückchen Fläche, das unter den Grenzwerten der Bodenbelastung lag.

Zudem gibt es im Fall der Reese Kaserne ein weiteres Problem. Im Jahr 2017 lässt die Stadt Augsburg die Bagger auffahren und alles platt machen. Es existiert ein Bebauungsplan aus dem hervor geht, dass vom Kulturpark West nur Rudimente übrig bleiben. Das kreative Zentrum Augsburgs muss dem Wohnungsbau weichen und mit ihm der Interkulturelle Garten. Es gibt momentan Gespräche über eine Verlegung des Kulturparks, jedoch noch keinerlei Zusagen oder Verträge. Zwischen den geplanten Neubauten soll sich ein steriler Grüngürtel entlang ziehen, ähnlich dem im Sheridan Park. Gespräche mit Passanten haben uns jedoch offenbart, dass die Menschen sich lieber einen nützlichen Park wünschen. Einen Park mit dem sie sich identifizieren können und an dem sie teilhaben können. Aber aus irgend einem Grund kommen Architekten und Investoren nicht auf die Idee Menschen an Grünflächen zu beteiligen. Dabei geht aktuell eine riesige Gartenbewegung um die Welt, die sich abwendet vom eingekapselten Schrebergartentum. Gärten werden als Begegnungsstätten wiedererkannt, als Lernorte und produktive Äcker in Zeiten der Lebensmittelskandale. In Berlin die Prinzessinnengärten und die Idee der Bürgergärten in denen die Bürger ihre Parks selbst pflegen, in Leipzig, München und New York entstehen auf Dächern und Brachflächen kleine Nachbarschaftsgärten in denen die Menschen ihr Gemüse selbst ziehen und Kinder sich ab von medialer Beeinflussung frei entfalten können. Havanna beispielsweise produziert sein Gemüse komplett im innerstädtischen Raum. Auch Imker finden in den Städten neuen Aufwind, auch hier gilt München als Vorreiter. Für alle Interessenten stelle ich einige Links unter News ein.

Ein Beet im Interkultutrellen Garten Augsburg.

In vielen Orten weltweit ist diese Bewegung angekommen und Stadtplaner beginnen den Wunsch der Menschen nach selbst gestalteten Grünflächen in die Stadtplanung mit ein zu beziehen. Ob dies auch hier in Augsburg möglich wird bleibt ab zu warten aber der Wunsch der Menschen nach einer Wiederaneignung des städtischen Raums ist da. Wir hoffen, das daraus eine grünere und sinnvoller genutzte Flächengestaltung erwächst!

Nachtrag 01.11.11: Ich habe gerade gesehen, die AG Bildung und Nachhaltigkeit der Lokalen Agenda 21 eine Umfrage auf www.wirbelnuss.de eine Umfrage gestartet hat mit welchen Themen sie sich im kommenden Jahr beschäftigen soll. Stimmt ab und schaut euch das Ergebnis an! Ok, es sind bisher nur wenige Stimmen aber ihr könnt das ändern!

Für uns persönlich bedeutet die Entwicklung in der Reese Kaserne eine begrenzte Planungszeit. Aber auch in 3 oder 4 Jahren kann man viel erreichen und aufbauen. Zudem weiß keiner was die Zukunft bringt, vielleicht entscheiden sich die Verantwortlichen sogar eine kleine CityFarm und einen Interkulturellen Garten in den Bebauungsplan zu integrieren. Falls nicht ergeben sich in der Zwischenzeit sicherlich andere Möglichkeiten.

Ein erstes Gespräch mit dem Kulturpark West verlief vielversprechend, doch leider sind die Verantwortlichen nur selten anzutreffen, sodass wir seit 2 Wochen kaum jemanden erreichen. Unsere Zeit wird jedoch langsam knapp, wenn wir dieses Jahr noch etwas beginnen wollen…

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