Neueröffnung: Das Insektenhotel auf der CityFarm!

Endlich haben wir einen neuen Artikel für euch! Leider war für uns freie Zeit in den letzten Wochen so gut wie gar nicht vorhanden. Nun aber, so langsam, entspannt sich der volle Terminplan und wir haben wieder Zeit zum Schreiben. Heute stellen wir euch unser neues Insektenhotel vor!

Das neue Insektenhotel

Das neue Insektenhotel

Seit mehreren Monaten wartete ein Rohgestell mit Dach darauf zu einem großen Insektenhotel ausgebaut zu werden. Gern wollten wir dies mit einer Kindergruppe umsetzen aber es hat sich einfach nicht ergeben. Vielleicht entsinnt ihr euch, das Gestell steht am Tierfriedhof in der Nähe der Lagerfeuerstelle und diente bisher nur als Abstellplatz.

An einem schönen Herbsttag vergangene Woche, als Benni den ganzen Tag Holz sägte, machte sich Ildi daran die Behausung gemütlich einzurichten. Schließlich naht die kalte Jahreszeit und unsere kleinen Nützlinge brauchen Überwinterungsmöglichkeiten.

Wieso eigentlich? Finden die Insekten denn keinen Unterschlupf mehr? Und weshalb müssen wir diesen Krabbelviechern eigentlich helfen?
Das will ich versuchen zu erklären. Viele von euch kennen den Nutzen der Tierchen aber für einige sind es immer noch nur lästige Krabbeltiere.

Gerade in der Stadt sind die Möglichkeiten für Tiere sehr begrenzt. Bestes Beispiel ist der Igel, als Kulturfolger findet er im städtischen Bereich nur wenig Lebensraum. Deshalb müssen wir den Tieren helfen. Der Mensch hat über tausende Jahre in die Naturlandschaft eingegriffen und große Veränderungen bewirkt, er hat sich seinen Lebensraum selbst gestaltet und dafür vielen anderen den Lebensraum genommen.

Nützling im Garten - Die Hummel

Nützling im Garten – Die Hummel

Doch erst mit Einsatz chemischer Mittel wie Pestizide, Herbizide oder Kunstdünger im Acker- und Gartenbau wurden die Lebensräume der Insekten und anderer Tiere stark reduziert. Dazu kommt die Aufräumwut der Menschen, der zum Beispiel Totholzhaufen oder offen liegende Lehmtrockenhänge zum Opfer fallen.
In der Stadt zeigt sich das in der Umwandlung einst artenreicher, bunter Gemüsegärten in artenarme Rasen-Thuja-Gärten. Die Vereinheitlichung der Gärten erfolgte im Zuge des Wirtschaftswunders der 50er Jahre. Die klassische, kleinbäuerliche Landwirtschaft wurde nun als rückständig betrachtet und gezielt aus dem urbanen Raum heraus geplant.

In den 50ern rückständig - heute fortschritlich: Ernährungssouveränität in der Stadt

In den 50ern rückständig – heute fortschrittlich: Eier und Gemüse – Ernährungssouveränität in der Stadt

Denn die unerwartet rasante, wirtschaftliche Entwicklung Westdeutschlands zu einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft vermittelte den Stadtbewohnern ein Gefühl der Entbehrlichkeit eigener Nahrungsmittelproduktion. Der moderne Fortschritt brachte den Menschen Bequemlichkeit und saubere Hände. Pflegeleicht und sauber sollte er sein, der moderne Garten.
Die zu jeder Zeit entstandene industrielle Landwirtschaft belieferte die Lebensmittelmärkte mit billigen Nahrungsmitteln, sodass keine Notwendigkeit zur Selbstversorgung mehr bestand. Auch heute noch liefert die Agrarindustrie viel zu billige Lebensmittel aus lebensunwürdiger Massentierhaltung, mit starken Giften behandelten Monokulturen und genetisch veränderten Organismen. Das alles geschieht auf Kosten unserer und anderer Gesundheit, Ethik und Moral verschwinden unter einem Berg aus Kapital und die lebenswichtigste Ressource der Menschen, ihrer Ökosysteme, werden zerstört.

Damals dachte natürlich noch keiner daran, dass mit dieser Entwicklung auch der Lebensraum vieler Tiere verschwand und auf Dauer auch die Nützlinge darunter leiden würden, wie uns das weltweite Bienensterben momentan deutlich vor Augen führt. Die Bestäubungsleistung von Insekten macht übrigens 23 % der Gesamtagrarproduktion aus. Also jene Pflanzen, die ihre Früchte nur tragen, wenn sie von Insekten bestäubt werden. Sein einigen Jahren breitet sich nun ein Kollaps der Bienenvölker aus, auch Colony Collapse Disorder genannt. Betroffen sind aber nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen.
Die Ursache des Bienensterbens ist wahrscheinlich eine Mischung aus verschiedenen Faktoren, wobei Pestizide und andere chemische Giftstoffe eine tragende Rolle spielen. Wissenschaftlich ist es jedoch noch nicht ganz geklärt. Wobei die Wissenschaftler auch nicht mehr unabhängig forschen, sondern mit ihren Studien die Meinung der Geldgeber unterstützen. Wenn die Agrarindustrie nun Forschungen zum Bienensterben in Auftrag gibt, ist klar dass Pestizide als Ursache widerlegt werden sollen. Wer das Geld hat, hat leider auch Macht und damit Recht – so funktioniert unsere Politik und Wirtschaft.

Menschliche Ersatzbestäuber

Menschliche Ersatzbestäuber

Quelle: Apinews.com aus Argentinien
Foto: Li junsheng /Imaginechina
Zeitungsartikel in Europa: [www.guardian.co.uk]

Wohin es führt, wenn keine Bienen mehr existieren, hat schon Einstein erkannt:
Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Selbst wenn es zehn Jahre sein sollten, haben wir Menschen ein Problem. Die Auswirkungen des Bienensterbens kann man schon in China beobachten. Dort müssen die Apfel- und Birnenbäume von Hand bestäubt werden. Doch die menschlichen Bienen schaffen kaum einen Durchschnitt von 3000 Blüten am Tag.

Wer zieht hier wohl bald ein?

Wer zieht hier wohl bald ein?

Aber wieder zurück in den Garten. Dort finden wir weitere wichtige Nützlinge zum Beispiel Hummeln, Wildbienen, Schlupf-, Falten-, Grab- und Wegwespen, Florfliegen oder Ohrwürmer. Sie arbeiten als Bestäuber, damit wir all die leckeren Früchte genießen können und als kostenlose biologische Schädlingsbekämpfer. Zum Beispiel fressen Ohrenkneifer Blattläuse. Finden sie einen passenden Unterschlupf, sind sie in der Lage in wenigen Tagen einen kompletten Pfirsichbaum vom Läusebefall zu befreien. Auch bei uns auf der CityFarm hängen überall kleine Ohrwurmhäuschen. Probleme mit Blattläusen hatten wir kaum und verirrte sich doch mal die ein oder andere an die Chilis, kam Benni mit seiner stinkenden Brennesseljauche daher. Zusätzlich sammelte er Marienkäferlarven und gab ihnen im Gemüsegarten ein neues zu Hause. Im neuen Insektenhotel haben all diese kleinen Freunde eine Überwinterungsmöglichkeit gefunden.

Aber nicht nur für die nützlichen Krabbeltierchen ist das Insektenhotel da, sondern auch für alle neugierigen großen und kleinen Naturforscher.
Mit ein wenig Kreativität sind den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Wer aufmerksam durch die Natur läuft, kennt die Lieblingsverstecke der Insekten und kann passende Materialien sammeln. Ildi nutzte Ziegelsteine, Holzklötze, Äste und Reisig, verschiedene Nadelbaumzapfen, Kastanien, Schilf, Hächselabfälle, Stroh, Eierpappe, Blumentöpfe aus Ton und alte Vogelkäfige.

Noch Zimer frei im Insektenhotel!

Noch Zimer frei im Insektenhotel!

Auch die Ausbruchshühner fanden die Aktion sehr spannend. Neugierig steckten sie ihre Köpfchen in alle Kisten, Beutel und Töpfe in der Hoffnung irgendwo ein Käferchen zum picken zu finden. Besonders beliebt bei der Gackerbande war das gehächselte Holz. Dort hatten sich schon ein paar Kellerasseln und Hundertfüßler gemütlich eingerichtet, die nun als Leckerbissen herhalten mussten.

Hui, ein Buffet! - dachte sich Apollo 13 (so heißt das Huhn)

Hui, ein Buffet! – dachte sich Apollo 13 (so heißt das Huhn)

Obwohl es schon ganz schick aussieht, ist das Insektenhotel noch nicht ganz fertig. Die Ziegel müssen noch mit Lehm bestrichen und Löcher in die Holzklötze gebohrt werden. Einige der Insekten, zum Beispiel die Seidenbiene benötigen den Lehm, um ihre Nisthöhlen anzulegen. Vielleicht hast du ja Lust mit Lehm zu panschen und das Hotel fertigzustellen?
Wir freuen uns Freitags und Samstags Nachmittag auf deinen Besuch, denn ab 13 Uhr ist die Gartentüre für euch geöffnet!

Ildis Kumpel die Kellerassel

Ildis Kumpel die Kellerassel

 

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