Das Aus für die CityFarm Augsburg?

Ein neues Jahr, ein neues Abenteuer.
Dass dieses Jahr ein solches werden würde, hat sich relativ schnell gezeigt.

Wohin mit der Farm und uns?

Wohin mit der Farm und uns?

Manchmal scheint es uns als spiele die Welt verrückt, nicht nur das außergewöhnlich gute Gärtnerwetter, auch manche Menschen und Situationen stellen uns vor neue Herausforderungen. Natürlich spiele ich damit auch auf die Kündigung des Pachtvertrages an.
Vor ein paar Wochen erhielten wie die Kündigung unseres Geländes und müssen Ende Februar 2015 raus sein. Wieviel Aufwand das werden wird, lässt sich nur erahnen, denn 2 Jahre Arbeit und Material müssen abgebaut und woanders wieder aufgebaut werden.
Vielleicht ist es an der Zeit einmal zurückzublicken, uns zu fragen was wir erlebt und gelernt haben. Aber auch in die Zukunft zu schauen und uns zu fragen wie es weitergehen soll. Auch sind wir schon längst nicht mehr allein, daher ist es keine Frage die wir nur uns selbst stellen müssen, denn all unsere tatkräftigen CityFarmer betrifft diese Frage ebenso wie uns.

Doch schauen wir erst einmal hinter uns.

Vor zweieinhalb Jahren wollten wir auf unserem Spaziergang mit Hund Gino mal einen anderen Weg nehmen und erkundeten das so genannte Fischerholzviertel in Augsburg. Durch einen glücklichen Zufall entdeckten wir einen Mann, der seine Hecke mit Hagebutten schnitt, die wir gut für unsere Marmeladen brauchen konnten. Darüber kamen wir ins Gespräch und Benni erklärte sich bereit den Besitzern bei der Baumpflege im verwilderten, aber wunderschönen Garten unter die Arme zu greifen. Zu jener Zeit ahnten wir noch nichts von unserem Glück.

Wir schretterten uns den Weg frei!

Wir schretterten uns den Weg frei!

Doch schon kurz darauf rückte unsere anfangs fixe CityFarm-Idee, geboren in einem Monat auf der einsamen Waldbergalm, in greifbare Nähe. Wir durften 600 Quadratmeter des Grundstücks für unser Projekt nutzen! Einige von euch erinnern sich wohl an das verbuschte Grundstück, eine zugewachsene Perle, welche auch als Lagerplatz für Holz und Metall diente. Anfangs schien die Arbeit kein Ende zu nehmen, doch dank vieler Hände konnten wir nach einem halben Jahr die Eröffnung der Farm feiern. Es war das erste und bei weitem nicht das letzte Fest auf der auf der CityFarm Augsburg.
In den zwei Jahren fand sich schnell eine tatkräftige, kreative und pragmatische Gruppe von CityFarmern zusammen, unseren Schlüsselkindern ;-). Jeder von ihnen brachte seinen ganz eigenen Charakter und seine Fähigkeiten mit ein, um die Farm zu dem wachsen zu lassen, was sie heute ist. Manche sind seit dem ersten Tag dabei, andere gingen ihren Weg weiter aber ließen einen Teil ihres Charmes bei uns zurück. Unser gemeinsames Baby, die Farm, wäre ohne diese einzigartige Gemeinschaft an Menschen und ihrem riesigen Netzwerk nie entstanden.
Mittlerweile hat sich die Cityfarm in Augsburg als Gartenoase und Umweltbildungsort etabliert, wird gut besucht von einem Publikum, welches bunter und vielfältiger nicht sein könnte, und ist trotzdem ein Geheimtipp geblieben.

Fotoshooting für die Zeitschrift „Freundin“ mit Fotograf Frank Bauer.

Viele Kinder sind seit dem Beginn auf unseren Apfelbaum geklettert, einige davon zum ersten Mal in ihrem Leben. Groß und Klein haben Hühner gestreichelt, ihnen Regenwürmer gesucht und über grüne Eier gestaunt. Unzählige Stockbrote wurden über unserer Lagerfeuerstelle gebacken und viele Stunden in der Hängematte unter Apfelbäumen verbracht. Die Kaffees, welche auf unserem kleinen Sudetenofen brodelten, sind ebenso unzählbar wie alle schönen Momente, die wir auf der Farm erleben durften.

Zusammen haben wir viel gelacht, aber auch getrauert. So waren wir beispielsweise im Mai 2012 ziemlich wütend, als auf der Farm eingebrochen und Werkzeug entwendet wurde. Auch nahmen die Einbrecher ein Kaninchen mit, welches mit einer Narbe am Auge davon kam und heute den Namen Scarface trägt. Wir klagten auch über die verstorbene Prinzessin, eine Augsburger Hühnerdame, die an Krebs erkrankte, und an Caspar David Friedrich, der einen Streit mit seinem Hahnenbruder Dino nicht überlebte.
Gelacht haben wir über Sachen wie die Aktionen von Riesenkaninchen Salli, die uns eines Tages auf dem Dach der Küche thronend begrüßte. Oder über das Fotoshooting mit Ildi für die Zeitschrift Freundin, die eine Stunde geschminkt wurde, nur damit es aussieht, als wäre sie nicht geschminkt.
Und auch über die Nackthuhnbande waren wir froh, die geretteten Legebatteriehennen, die nach kurzer Zeit endlich ein glückliches Hühnerleben führen konnten. Eine Freude war auch jede der fünf Kaninchengenerationen, die bei uns das Licht der Welt erblickten und sich zu gesunden, munteren Hopplern mit einzigartigen Charakteren entwickelten. Auch wenn uns einige von ihnen manchen Nerv raubten, auf ihren Entdeckungstouren bei den Nachbarn, so haben sie doch Benni zu einem Kaninchenfangmeister ausgebildet.
Oder als wir von der Bikekitchen Augsburg unseren Lastenanhänger bekamen, den Jens Börner wunderschön gestaltete.
Ihr seht schon, es ist nicht annähernd möglich alles aufzuzählen!

Die letzte Generation Kaninchenwelpen auf diesem Gelände der Farm ist jetzt über einen Monat alt.

Die letzte Generation Kaninchenwelpen auf diesem Gelände der Farm ist jetzt über einen Monat alt.

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Es hat jedenfalls gut zwei Jahre gedauert, bis der Boden im Gemüsegarten die gewünschte feinkrümlige Struktur annahm, die sich jeder Gemüsegärtner wünscht. Unsere Kompostwirtschaft, die Beachtung von Fruchtfolgen und Mischkultur und natürlich der Verzicht auf chemische Mittel im Garten, haben ein positives Ergebnis erzielt. Überall wächst und sprießt es auf der Farm, von seltenen Gemüsesorten bis zu reichlich blühenden, bienenfreundlichen Blumen ist eine bunte Vielfalt in Kisten, Töpfen, Paletten und natürlich im Boden selbst entstanden.

Gestern auf der Cityfarm.

Aufgenommen gestern von Benni auf der Kräuterspirale.

Ein Garten sollte immer ein funktionierendes ökologisches System bilden, in welchem sich zum Beispiel Schädlinge und Nützlinge die Waage halten. Darauf haben wir hin gearbeitet und sind heute diesem Ziel näher denn je. Umso trauriger ist es nun den Garten aufgeben zu müssen, das System wieder zu zerstören und die Artenvielfalt im wahrsten Sinne des Wortes „rauszureißen“.
Vor zwei Tagen entdeckten wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dass unser Zauneidechsen-Pärchen in der Kräuterspirale den Winter gut überstanden hat und sich nun wieder auf den Steinen in der Sonne wärmt. Die Kräuterspirale aber muss weg und damit die Eidechsen. Auch die Spatzenbande muss sich dann neue Futterquellen erschließen, denn Hühnerfutter werden sie nach unserem Auszug nicht mehr klauen können. Natürlich schadet es der Natur an sich nicht, wenn wir umziehen. Doch ein so eng verflochtenes Dasein mit der Natur ist harte Arbeit und braucht mehrere Jahre um zu einem Gleichgewicht heranzuwachsen.

Doch obwohl es uns traurig stimmt, die bunte Oase verlassen zu müssen, versuchen wir es positiv zu sehen. Vielleicht ist es die Chance auf ein größeres Grundstück? Vielleicht mit einem richtigen Gewächshaus? Die Möglichkeit zur Ziegen- oder Gänsehaltung?
Träume und Vorstellungen haben wir viele, doch welche sich davon in die Tat umsetzen lassen, liegt noch in der Zukunft verborgen. Wie schwierig es sich im Stadtgebiet Augsburg erweisen kann ein angemessenes Grundstück zu finden, haben wir schon vor ein paar Jahren feststellen müssen. Eine große Auswahl gibt es nicht, viele Flächen sind belastet (z.B. mit Schwermetallen), andere als Spekulationsobjekt nicht zugänglich und die wenigen, die übrig bleiben sind oft unerschwinglich teuer für ein gemeinnütziges Projekt wie das unsere.
Um die Chancen etwas zu erhöhen, habe wir uns mit dem Quartiersmanagement Oberhausen zusammengeschlossen. Sie suchen ebenfalls ein Grundstück auf dem sie für zwei Jahre ihren kleinen Nachbarschaftsgarten weiterführen können. Der Garten war die letzten Jahre neben der Kirche in der Pfarrhausstraße, an der Wertachbrücke, angesiedelt und bot den Menschen der Nachbarschaft eine grüne Oase zum Gärtnern. Leider benötigt die Kirche die Fläche für Baumaßnahmen. Doch in zwei Jahren sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen und der Garten wieder eingerichtet werden. Bis dahin brauchen Pflanzen und Gartenfreunde eine neue Bleibe. Ergibt sich also etwas in der Gegend, werden wir zusammenziehen und Nachbarschaftsgarten wie auch Cityfarm gemeinsam neu aufbauen!

Gartenpanorama Cityfarm Augsburg

Gartenpanorama Cityfarm Augsburg

Deshalb möchten wir euch um Mithilfe bitten.
Haltet einfach eure Augen und Ohren offen, vielleicht erzählt jemand von einer stillgelegten Gärtnerei in Oberhausen oder im Bärenkeller? Oder jemand möchte seinen Garten verpachten, weil er ihn nicht mehr bewirtschaften kann? Gebt uns bitte Bescheid, wenn euch etwas zu Ohren kommt, denn die Zeit läuft leider gegen uns. Jeder noch so kleine Hinweis kann uns den Ar… retten, wie man umgangssprachlich so schön sagt.

Wir haben natürlich auch ein paar Anforderungen an das Gelände:

  • das Gelände muss für uns mit dem Fahrrad relativ schnell erreichbar sein (wir haben und wollen kein Auto!) oder es muss eine Wohnmöglichkeit vorhanden sein

  • die Fläche sollte nicht unter 1000qm Größe liegen

  • die Pacht darf nicht höher als 100 Euro im Monat sein

  • Tierhaltung muss erlaubt sein

  • Kinder dürfen die Nachbarn nicht stören

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Erzählt es weiter, teilt diesen Aufruf bei Facebook, Google+ und co und helft uns ein neues Grundstück zu finden!
Es wäre sehr traurig, wenn wir aufhören müssten. Denn nicht nur uns erfüllt die Cityfarm Augsburg den Herzenswunsch einer Lebensalternative mir mehr Naturnähe und und einer, zwar körperlich anstrengenden, aber sinnstiftenden und erfüllenden Arbeit. Wir wollen dies auch in Zukunft mit unserer Cityfarm-Familie weitergeben und vor allem den Kids aber auch den erwachsenen Kindern aus der Stadt einen Freiraum vom digitalen, leistungsgesellschaftlichen Alltag schaffen.

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3 responses to this post.

  1. Posted by Jens on 9. April 2014 at 07:21

    Ich drück euch die Daumen, dass ihr was findet…. Lasst euch die Zeit nicht schwer werden, sondern lebt weiter so wie bisher nur im Moment 😉

    Antwort

  2. Posted by Britta Eberlein on 9. April 2014 at 13:20

    Danke für diesen wunderschönen, positiven, von Kraft sprühenden Artikel. Ich habe es bislang leider noch nicht geschafft, bei euch vorbeizuschauen, hoffe aber, dass ich doch noch dieses Jahr die Chance dazu habe. Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass ihr ein passendes Grundstück findet – „Denn jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne …“
    Britta

    Antwort

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