Flauschiger Nachwuchs auf der CityFarm!

Liebe CityFarm Freunde,

lange musstet ihr euch gedulden und auf einen neuen Artikel warten. Aber nun endlich ist es soweit und wir präsentieren euch unseren neusten Nachwuchs! Dazu hat Benni einen kleinen Artikel geschrieben, den mancher von euch schon vom Lagerfeuer in der Nacht der Sonnenwende kennt:

Ein neuer Star ganz frisch aus dem Ei gepellt. Foto: Armin Pawelka

Ein neuer Star ganz frisch aus dem Ei gepellt.
Foto: Armin Pawelka

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Mitte Mai begannen zwei unserer Hennen ein äußerst merkwürdiges Verhalten an den Tag zu legen. Tagsüber verließen die beiden nur noch sporadisch ihren Stall um ein Häuflein vor unsere Füße zu platzieren, sich den Bauch in Windeseile mit Melone, Wurst und Körnern vollzustopfen, nur um dann 5 Minuten später wieder bis zum nächsten Morgen im Hühnerhäuschen zu verschwinden. Außerdem verloren ihre Kämme jedwede Farbe, während sie sich gegenüber Mensch und Tier, Artgenossen eingeschlossen, äußerst aggressiv zeigten. Dies äußerte sich durch eine nie dagewesene Geräuschkulisse wie Fauchen, lautes Geblubber, glucksendes Gegurre und dem inflationären Einsatz des Schnabels als Hieb und Stoßwaffe. Mit aufgestellten Federn, fauchend wie eine schlecht gelaunte Miezekatze, macht auch so ein kleines Hühnchen mächtig Eindruck.

Zeig her deine Federn, zeig her deine Flügelchen...

Zeig her deine Federn, zeig her deine Flügelchen…

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Im ersten Moment dachte Benni an eine schlimme Krankheit, was zur Folge hatte, dass er sich panisch über die Newcastle-Krankheit und Co informierte, bis Ildi ihn lachenderweise über das Verhalten von brütenden Hennen aufklärte. So erklärte sie dem unwissenden Benni:
Aus Ermangelung eines Hahnes seien diese Eier, die unsere gefiederten Damen da bebrüteten, leider Gottes nicht befruchtet und würden bei konstanter Temperatur von 38 schlecht und begnnen irgendwann zu stinken.
Dementsprechend mussten wir erst einmal Eier mit „Hahnentritt“ organisieren und fanden diese bei den privaten gehaltenen Hühnern der Biogärtnerei Bucher ganz in der Nähe der Farm. Akademisch vorbelastet wie die Cityfarmer sind, wälzten wir umgehend Hühnerbücher und fanden heraus, dass man zwei gemeinsam gluckende Hennen unbedingt trennen müsse, da sie sich sonst gegenseitig die Eier mopsen würden. Wobei die Gefahr bestünde, dass einige kaputtgehen könnten. Versuch macht kluch.

Die Hühner wurden getrennt, dabei mit befruchteten Eiern versehen und in absperrbare, separierte Nester gesetzt. Kaum eine halbe Stunde später sitzen beide wieder im alten Nest auf den „original“ Eiern. Nachdem wir diesen Vorgang scheiternderweise 4 oder 5 mal wiederholt hatten, wagten wir das Eggsperiment: DOPPELBRUT.

Was soll denn nur die ganze Aufregung um 3 Babys, ich hab schon um die 30!

Was soll denn nur die ganze Aufregung um 3 Babys, ich hab schon um die 30!

Zu unserem Ärger waren die Bucherschen Eier nun mehrfach durchgekühlt so, dass daraus keine Küken mehr schlüpfen würden. Also begann unsere Suche von Neuem. Doch die liebe Steffi, Chefin des Jugendhauses Lehmbau in Hochzoll, erbarmte sich und trat uns einige befruchtete, bereits angebrütete Eier ab, die wir unseren Putschen standepedes unterschoben.
Da saßen sie nun. Und brüteten und brüteten und brüteten und brüteten… 21 Tage lang.
Während diese 21 Tage Brutzeit verbaute Benni gemeinsam mit CityFarmer Basti Stück für Stück das Hühnergehege und den Stall so um, dass ein kükensicherer Stall im Stall entstand. Weil die anderen, die Brutautomathühner, mit Bibberle angeblich so gar nichts anfangen können und die kleinen, laut Hühnerbuch, im schlimmsten Fall als leckere Eiweißquelle ansehen. Auch dies erwies sich letztendlich als Irrtum, denn die Hühnerschar legte gegenüber den ausbruchsfreudigen Baby-Hühnchen ein für Hühnerverhältnisse sehr achtsames und liebevolles Verhalten an den Tag. Was vielleicht an den sowohl außergewöhnlich dominanten als auch aggressiven Müttern liegen könnte. So war es dann Mitte Juni soweit. Ein mehrstimmiges Piepsen im Stall verriet, dass unser neuster Cityfarmnachwuchs ihren letzten Eidotter verzehrt, sich aus ihren Schalen befreit und das Licht der Welt erblickt hatte. Auf die Küken, noch feucht vom Ei, erhaschten einige Cityfarmer und Besucher einen Blick, wobei wir wiedereinmal bemerkten, dass niemand immun gegen das oft besungene Kindchenschema ist. Früh am darauf folgenden Morgen sägte der frisch gebackene Hühnerpappa Benni eine zweite Klappe ins Häuschen unserer gefiederten Freunde. Danach bastelte er ein kleines aber feines Außengehege mit Gestrüpp zum Verstecken und viel Schatten zum gemütlichen Sandbaden für die Mammies und ihre Kleinen.

Vollgefressen in der Chil-Area unterm Busch.

Vollgefressen in der Chil-Area unterm Busch.

Sogleich machte sich Ildi mit Tine, einer Freundin vom Ak Urbane Gärten (Lokale Agenda 21) auf, um beim Futtermittelhändler Kükenfutter zu erstehen. Unserer Abneigung gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen verhinderte dabei sehr effektiv, dass wir irgendwo sojafreies unbelastetes Kükenfutter finden konnten.Laut Futtermittelhändler gibt es das schlicht und einfach nicht mehr! Aber er will sich umsehen, da scheinbar immer mehr Hühnerhalter ihre Abneigung gegen Soja kundtun.
Da standen wir nun mit vier hungrige Mäulern, vier piepsenden flauschige Bollen und kein Futter zur Hand.
Wie hat man das denn früher gemacht als es noch keine kommerziellen Futtermittelhändler gab? Bei der Frage lachte der Herr Kratzer vom Hühnerhof in Gablingen, man hat ganz einfach auf die Ressourcen zurückgegriffen die sowieso vorhanden waren, die täglichen Essensreste! Soja ersetzt nur tierische Eiweiße welches sich glückliche Hühner durch Kellerasseln, Würmer, Kartoffelkäfer selber suchen oder durch wenig gewürzte Essensresten bekommen. Dazu gehört natürlich auch, sich ab und an ein Würstchen direkt vom Grill zu klauen. So bekommen unsere Kleinsten jeden Tag zwei Eimer Kompost gespickt mit Würmern und Asseln, mehrere Ränkel Wurst die Metzgereien täglich massig in den Müll hauen und ab und zu ein wenig Hirsebrei mit Milchpulver den es regelmäßig umsonst in diversen Containern zur Selbstabholung gibt. Die kritischen ersten Wochen sind nunmehr für 3 Küken glatt verlaufen und sie erfreuen sich bester Gesundheit auch ohne teures Kükenfutter. Eine unerfahrenes Kleines fiel leider schon früh einem melonenbedingtem Insektenstich zum Opfer. Grausame Mutter Natur…
Mit diesem theatralischem Schlusswort entlasse ich euch in einen hoffentlich schönen, sonnigen Sommeranfang und wünsche allen Gärtnerkollegen eine erfolgreiche Gartensaison.
Danke fürs Lesen!

Das flauschige Süßheitsstadium ist vorbei, jetzt wachsen die richtigen Federn!

Das flauschige Süßheitsstadium ist vorbei, jetzt wachsen die richtigen Federn!

Kleiner Nachtrag:
Mittlerweile haben die süßen Bibberle das Süßheitsstadium verlassen. Sie bekommen schon richtige Federn an den Flügeln und üben sich im Flattern, denn sie wollen den Zaun zum Schlaraffenland Komposthaufen baldmöglichst selber überwinden. Auch entfernen sie sich täglich mehr von ihren beiden Müttern, streunen auch mal ganz allein auf der Suche nach krabbelnden Leckerbissen unter den Apfelbäumen umher und haben sich wunderbar in die restliche Hühnerschar integriert.
Auch unser Dino, der übrigens vor wenigen Wochen selbst beschlossen und umgesetzt hat, wieder bei uns einzuziehen, beschützt die Kleinen als wären es seine eignen Jungen. Die Mütter dürfen unterdessen wieder seine Statthaftigkeit bewundern.
Der Kükenverschlag im Stall kann nun die Tage wieder abgebaut werden, denn schon nach 2 Wochen beschlossen Mütter und Küken lieber im Legenest, nahe der restlichen Schar, zu schlafen als im eigens dafür abgetrennten Bereich.
Alles in allem ist es für uns eine sehr spannende Erfahrung, denn unsere Tiere verhalten sich entgegen dem was in sämtliche Hühnerbüchern und -Internetforen geschrieben steht. Woran das liegt, könnten uns nur die Hennen sagen aber diese schweigen sich aus und stravanzen statt dessen fröhlich durch den Garten.
Sodenn wünschen wir euch ein beschwingtes „Goaaak“!

Eine gackernde Familie!

Eine gackernde Patchwork-Familie!

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