Was blüht im Oktober

Blüten Topinambur

Endlich ist er da, der goldene Oktober. Der Herbst wäre kein guter Herbst, würde er uns nicht wenigstens ein paar güldene Tage schenken.
Aus der Idee an einem Sonntagmorgen mal eben schnell die letzten Blüten im Garten zu fotografieren, wurde eine blumen- und hummelreiche Stunde mit sehr vielen Fotos. Wir waren selbst überrascht, wie viele Wild- und Kulturpflanzen noch im Oktober auf fleißige BestäuberInnen warten.
Bevor wir Euch unsere bunten Entdeckungen zeigen, ein kleiner Exkurs zu den wohl puschligsten und beliebtesten Hautflüglern, die auch im Herbst noch zu beobachten sind: den Hummeln (Bombus).

Der Erdhummel trifft man auch im Oktober noch an.

Die Bedeutung der Hummeln für das Ökosystem wurde bisher sicherlich unterschätzt, denn die Tiere können auch noch bei niedrigen Temperaturen (Arbeiterinnen ab 6°C, Königinnen schon ab 3°C) und regnerischem Wetter ausfliegen.
Für Gartenfreunde bedeutet das: sie sichern einen gewissen Grad der Bestäubung, auch wenn das Wetter im Frühjahr bescheiden ist.
Im Vergleich, Honigbienen (Apis) fliegen erst ab einer Außentemperatur von 12°C.
Aufgrund der Flugtemperaturen sind bei Regenwetter im Oktober-Garten eher Hummeln als Honigbienen zu beobachten
.

Wen interessiert warum es in den Tropen keine Hummeln gibt, dafür aber eine Art, die im Gletschereis nistet, der darf sich auf der Seite Aktion-Hummelschutz einlesen. Ein überaus spannendes Thema!

In der Regel endet das Hummeljahr im September. Die, im Vergleich zur Honigbiene, kleinen Völker sterben und nur die Jungköniginnen überleben.

Die Nektartankstelle Herbstaster bietet reichlich Futter.


Bevor diese Prinzessinnen jedoch ein geschütztes Winterquartier aufsuchen, fressen sie sich ordentlich Winterspeck an und füllen ihren Magen randvoll mit Honig. Die Damen der meisten Hummelarten befinden sich im Oktober schon in der Winterruhe, nur Jungköniginnen der Ackerhummel (Bombus pascuorum) und der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) konnten wir noch beobachten.

Borretsch ist ein unermüdlicher Blüher bis in den späten Herbst hinein. Er wird besonders gern von Hummeln angeflogen.

Für diese Prinzessinnen ist es daher unerlässlich, dass auch im Herbst noch pollen- und nektarbildende Blüten vorhanden sind.
Bekannt ist, dass Hummeln eine Vorliebe für blaue und violette Blüten besitzen.
Aktueller Forschungsgegenstand ist sogar, ob die Beliebtheit der Farben etwas mit der Blüten- und damit Nektartemperatur zu tun hat.
Gerade im Frühjahr und Herbst müssen unsere pelzigen Hautflügler ihre Temperatur über 30°C halten, da sie sonst ihre Flugfähigkeit einbüßen.
Was kommt da gelegener, als eine kuschlig warme, dunkelfarbige Blüte, die auch noch warmen Nektar spendet?
In Gärten besonders beliebt bei Hummeln sind neben Borretsch, lila Schmetterlingssträuchern und Lavendelblüten, auch Ringelblumen.

Eine faszinierende Pflanze ist die Schaben-Königskerze.

Im Übrigen hat eine Studie unlängst herausgefunden, dass artenreiche Schrebergärten aufgrund der Mischung blühender Obstbäume und Gemüsepflanzen, Blumen und Unkrautecken mit blühenden Wildpflanzen besonders anziehend auf Insekten wirken. Ausgesprochen schlecht schnitten Parkanlagen ab und auch viele Hausgärten sind wegen ihrer Rasenflächen und Terrassen alles andere als insektenfreundlich. Da hilft auch kein aufgestelltes „Insektenhotel“ mehr. Von Schottergärten ganz zu schweigen….

Zwar zählen wir uns nicht zu den Kleingärten, fühlen uns aber mit unseren „Unkrautecken“ und „Lass mal alles ausblühen“-Konzept durch diese Studie sehr in unserem Tun bestätigt!
Quelle: Baldock KCR, et. al.: A systems approach reveals urban pollinator hotspots and conservation opportunities. In: nature ecology & evolution, https://doi.org/10.1038/s41559-018-0769-y

Daher einmal mehr unser Aufruf: MEHR MUT ZUM UNKRAUT!
Zeigt Bilder Eurer wilden Gärten und nutzt Hashtags wie:
#unkrautistleben #unkrautistschön #naturliebe #savethebees

Sie darf auf dem Gelände wachsen wo sie will, die Stockrose.

Nun aber zurück zu unserem Blütenthema.
Ausgesprochen üppig blüht im Oktober natürlich die Herbstaster (Symphyotrichum laeve), dicht gefolgt von verschiedenen Sonnenblumenarten, darunter Topinambur (Helianthus tuberosus), und mehrjährigen, winterharten Staudensonnenblumen (z.B. Helianthus atrorubens). Jedes Jahr wieder aufregend ist die Herbstblüte unserer Rosen (Rosa), sowie die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) mit ihren gut 3 Metern Höhe und zahlreichen gelben Korbblüten!

Wir hatten das Jahr der Kapuzinerkresse. Einige unserer Beete wurden von den leckeren Pflanzen förmlich verschluckt.

Aber auch die klassischen Langzeitblüher wie Borretsch (Borago officinalis), Ringelblumen (Calendula officinalis) , Echter Beinwell (Symphytum officinale) und Strauchbasilikum (Ocimum kilimandscharicum x basilicum) stehen noch in voller Pracht!

Bei Insekten sehr beliebt ist die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) mit ihren leuchtenden, an Mönchskapuzen erinnernden (daher der Name) Blüten.

Lieblingsunkraut – Purpurblütiges Leinkraut

Besonders Hummeln krabbeln gern in die bewimperten Blumen, um den süß-scharfen Nektar zu erhalten und sichern dadurch die Bestäubung.
Besonders schlaue (oder faule) Exemplare beißen einfach die gekrümmten Sporne der Blüten auf und bedienen sich, ohne am Portier vorbei zu müssen, am Nektarbüffet.

Weiterhin zeigten zahlreiche Kräuter ihre letzten Blüten, wie das Bohnenkraut (Satureja), unsere Mochitominze (Mentha spec. Mojito), das zu den Strohblumen zählende Currykraut (Helichrysum italicum), Weinraute (Ruta graveolens) und besonders reich blühend die Rucolapflanzen (Diplotaxis tenuifolia).
Einen tollen Akzent setzt unsere schöne Schwarzäugige Susanne (
Thunbergia alata).

Manch einer wird nun meinen, dass es sich ja fast nur um nicht heimische Pflanzen handelt. Ja, das ist richtig. Liegt aber auch daran, dass diese einerseits mit ihrer Pracht deutlicher hervorstechen und andererseits in einem Nutzgarten häufig eine große neuweltliche, wie auch mediterrane Vielfalt herrscht.
Doch keine Sorge, auch die heimischen Gewächse zeigen sich, wenn auch etwas verhaltener.

Die ersten Bodenfröste hat er problemlos gemeistert, der Strauchbasilikum, zentrale Anlaufstelle für alle Nektarsammlerinnen.

So steht zum Beispiel die heimische Weiße Taubnessel (Lamium album) noch in Blüte, ebenso geschützt stehende Schafgarben (Alchemilla millefolium), und eine besondere Schönheit die Schaben-Königskerze (Verbascum blattaria).
Auch verschiedene Distelarten (Cirsium) tragen noch Blüten – wer uns kennt, weiß, dass auch verschiedenste Disteln bei uns wachsen dürfen.

Das kühl-feuchte Wetter scheint auch den Malvengewächsen sehr zu gefallen.
Gesichtet haben wir weiterhin: immernoch reich blühend das Purpurblütiges Leinkraut (Linaria purpurea), Wilde Möhren (Daucus carota subsp. Carota), jede Menge verschiedener Tagetessorten (Tagetes), in Töpfen kultivierte Wandelröschen (Lantana camara), Prächtige Fetthenne (Hylotelephium spectabile), Echinaceen und Rudbeckien (Sonnenhut).

Kräuter, wie das Currykraut, bieten ihre letzten Blüten zur Bestäubung an.

Das sind nun schon sehr viele Pflanzenarten und es ist auch nicht möglich hier alle zu nennen, geschweige denn von allen Fotos zu zeigen. Daher haben wir für Euch die schönsten Bilder ausgewählt.

Langer Rede kurzer Sinn: auch der Oktober ist noch blütenreich und dies für bestimmte Insekten überlebensnotwendig.
Zier- und Wildpflanzen können einen Garten sehr bereichern, auch wenn sie nicht heimisch sind (aber bitte Vorsicht mit invasiven Gewächsen wie der Kanadischen Goldrute).

Und nun wie immer unser Gartentipp: im Herbst einfach mal nichts tun!
Lasst Stauden, Kräuter, auch welkes Gemüse und das „böse“ Unkraut bis zum Frühjahr stehen.
Wen bei dem Gedanken der Versamung Schnappatmung befällt, darf gern die Samenstände abschneiden, um sein aufgebrachtes Gemüt zu beruhigen.
Wenn das neue Grün im Frühjahr spitzelt, dann erst alles runter schneiden. Insekten, Reptilien, Igel und co. werden es euch danken!

Ein gesunder Garten braucht etwas Wildwuchs!

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