Konzept

Fassung Mai 2014

Die CityFarm Augsburg ist eine Projektgruppe im Transition Town Augsburg e.V. und existiert seit 2012 im Norden Augsburgs als offener Gemeinschaftsgarten. Das Gelände der Farm umfasst neben einem ökologisch bewirtschafteten Gemüsegarten mit vielen Urban Gardening-Elementen und alten wie auch seltenen Gemüsesorten, auch eine kleine Obststreuwiese, einen Teich und bietet Hühnern und Kaninchen ein artgerechtes zu Hause. Bewirtschaftet wird die CityFarm Augsburg von den Initiatoren Benjamin Vogt und Ildikó Reményi-Vogt, die sich mit ca. 15 weiteren Aktiven die Arbeit auf dem Gelände und mit
den Tieren, wie auch Produkte von den Tieren und aus dem Garten teilen.
Viele Menschen aus der Stadt besitzen keinen Garten und damit keine grüne Oase, in die sie sich zurückziehen können, um der Stadthektik zu entgehen. Doch brauchen vor allem Kinder einen Bewegungs- und Entdeckungsfreiraum im Grünen, der ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Stärken zu entdecken und über Naturerfahrungen Selbstbewusstsein zu lernen. An diesem Defizit setzt die CityFarm Augsburg an und bieten Kindern wie auch Erwachsenen diesen Raum in einem familiären Rahmen. Ein bis zweimal im Monat öffnet die Farm ihr Gartentor und heißt Besucher willkommen.
Neben den aktiven CityFarmern besuchen Kinder aus der Nachbarschaft, junge und ältere Familien aus der Stadt, Studenten und ein weites buntes Publikum die Farm. Auch Schulklassen und Kindergärtengruppen wird auf der Farm die Möglichkeit geboten Umweltbildung und Naturerfahrung im außerschulischen Bereich zu betreiben. Weiterhin werden über den Arbeitskreis AK „Urbane Gärten“ der Lokalen Agenda 21 und das Augsburger „Netzwerk für Naturschutz und Umweltbildung e.V. (Nanu e.V.)“ Gartenfeste,
Workshops und DIY-Kurse angeboten, z.B. „Marmeladensommer“ und „Altbewährte Konservierungsmethoden“.
Doch die Farm ist nicht nur ein Garten, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Austausches. Die CityFarmer setzen sich z.B für die gefährdete Saatgutvielfalt ein, vermehren alte Gemüsesorten und geben die Samen auf u.a. selbst organisierten Saatguttauschbörsen weiter, bringen interessierte Menschen zusammen und sind aktiv an der Vernetzung mit anderen Augsburger Projekten beteiligt. Auch altes Handwerk wird wiederentdeckt, angewendet und mit neuen, kreativen Entwicklungen wie z.B. der Schleifmaschine mit Fahrradantrieb (powerd by Bikekitchen Augsburg) optimiert.
Aus der Tatsache, dass die CityFarm Augsburg als Lowbudget/Nobudget-Projekt läuft, werden die Entwicklung zum Selbermachen und Ausprobieren gestärkt und zudem Tauschhandel und gegenseitige Hilfe gefördert. Die Farm bietet somit den Menschen einen Ort, an dem sie sich selbst ausprobieren und ihre Fähigkeiten entdecken können.Die Ziele der CityFarm Augsburg sind vielfältig und entwickeln sich mit ihren Beteiligten stetig weiter. Generell stehen jedoch die pragmatische Entwicklung nachhaltiger Lebensmodelle, Natur- und Umweltbildung, ökologischer Gartenbau sowie die Erhaltung der Saatgutvielfalt im Vordergrund.

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Fassung von 2012

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Bedingt durch das aktuelle Zeitgeschehen stehen wir vor der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung eine langfristig lebenserhaltende Gesellschaft zu schaffen..   

Bis vor 50 Jahren war die Versorgung mit Nahrungsmitteln größtenteils Sache der eigenen kleinen Landwirtschaft. Von Kindesbeinen an lernten die Menschen, dass ohne Aussaat im Frühling, Pflege der heranwachsenden Pflanzen im Sommer und der Ernte im Herbst, nur ein geringer Ertrag zu erwarten war und man schlimmstenfalls im Winter hungerte. Zu dieser Zeit und heute gilt, dass der Anbau eigener Lebensmittel eine Fähigkeit ist, die entscheidend zum seelischen und körperlichen Wohl beiträgt. Sowohl die Verbindung zur Natur und ihren Kreisläufen als auch die Kenntnisse über Pflanzen und Tiere vermitteln ein Gefühl der Kompetenz und Daseinsberechtigung dadurch, dass wir unser wichtigstes Grundbedürfnis erfüllen: das nach Nahrung.

In den letzten Jahrzehnten bestand in den Augen vieler unserer Mitmenschen keinerlei Zusammenhang mehr zwischen den zentralen Lebensgrundlagen Wasser, Boden, biologische Vielfalt und einem gesunden ausgewogenem Ernährungsbewusstsein. Doch wie immer in Krisenzeiten wenden sich die Menschen wieder vermehrt ihren Grundlebensbedürfnissen zu und entdecken zum Beispiel den Wert eines kleinen Gartens oder einfach nur gesunder Ernährung wieder. Dies wird deutlich als ökologische Bewegung, welche zudem mit einer Veränderung der Konsumgewohnheiten einhergeht. Debatten über ökologische und biologische Anbaumethoden nehmen auch in den Medien einen immer größeren Stellenwert ein, da aus Massenproduktion stammende Nahrungsmittel oft chemische Rückstände enthalten. Daher ist Gemüse ist nicht gleich Gemüse. Oder: „Kein Salat ohne Nitrat“, wie es die Stiftung Warentest treffend formulierte. Obwohl sich mittlerweile viele Menschen mit der Frage nach Herkunft und Inhaltsstoffen ihrer Lebensmittel beschäftigen, wie massenhafte Zugriffe auf entsprechende Internetseiten bestätigen, fehlt noch großen Bevölkerungsteilen das Interesse an diesen grundlegenden Thematiken.

Auch hier in Augsburg trifft man auf Kinder, die davon ausgehen Gemüse wachse bei Aldi oder Lidl im Regal, da das Umfeld meist keinerlei Interesse an Aufklärung dieser Irrtümer hat. Oft fehlen die Möglichkeiten des eigenen Gemüseanbaus und somit geht ein wichtiger Natur- und Umweltbildungsfaktor für die Kinder verloren. Auch Schulen besitzen nur noch selten Schulgärten oder Tierhaltungsmöglichkeiten, durch welche Kindern den richtigen Umgang mit Tieren und Pflanzen erlernen. Die alte Frage welche Farbe eine Kuh besitzt, hat seine Berechtigung, denn sie zeigt Bildungsdefizite des Systems auf wenn Kinder antworten die Kuh sei lila. Allgemeiner betrachtet fehlt es vielen Kindern an Naturerfahrungen und damit an der Begeisterung für alles was lebt – selbst in einer grünen Stadt wie Augsburg.

Wir möchten mit unserer Arbeit auch eine Sensibilisierung der Menschen zum Thema Stadtökologie und nachhaltige Stadtentwicklung erreichen. Urbane Nutzgärten bieten ökologische wie auch soziale Entwicklungsmöglichkeiten für eine langfristig lebenserhaltende Gesellschaft. Die städtische Kleinstlandwirtschaft birgt einen neuen Versorgungsfaktor nicht nur für einkommensschwache Familien, für die teure Bio-Lebensmittel unerschwinglich sind. Städte wie Detroit, New York, Sankt Petersburg, Berlin und München sind Vorreiter städtischer Landwirtschaft. Es benötigt nicht viel, um in der Nachbarschaft einen kleinen Nutzgarten anzulegen oder auch nur etwas frischen Salat auf der Fensterbank zu ziehen. Dazu muss jedoch ein Grundlagenwissen über Zusammenhänge von Boden, Klima und Wasser sowie ein Verständnis der Jahreszeiten gegeben sein. Unsere Angebote in Zusammenarbeit mit der Umweltstation Augsburg sind sehr vielfältig. Damit wollen wir den in der Stadt wohnhaften Menschen neuen Zugang zu gesunden Lebensmitteln bieten, sowie das Selbstverständnis des städtischen Raums im Sinne der globalen Bewegung urbaner Landwirtschaft stärken. Dadurch wird die Erfahrung vermittelt, dass das Konstrukt Stadt mittels Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung eine lebenswerte Umwelt darstellen kann, in welcher die Menschen und vor allem die Kinder nicht den Kontakt zur Natur verlieren. Gerade für sie Zukunft, unsere Kinder, ist die Naturerfahrung ein wichtiger Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung. Stadtentwicklung kann somit auch Natur- und Umweltbildung bedeuten.

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