Archive for the ‘Gedanken’ Category

Ildi’s DIY-Winter

CityFarmer sein, heißt nicht nur Schafe kuscheln!

„Es ist schon ein bisschen verrückt, was ihr da macht!“
Willst du nicht endlich mal ein normales Leben anfangen?“
Wow, das ist so toll was ihr macht, ich könnt das nicht.“
Warum quält ihr euch freiwillig mit so viel dreckiger Arbeit?“
Ihr seid scho ganz schön irre.“

Das ist nur ein kleiner Auszug an Sätzen, die mir immer wieder begegnen, von Freunden, von der Familie, von Bekannten, von Fremden.
Im Gegenzug frage ich mich dann „Und wie kannst Du so leben? 50 Stunden-Woche und am Wochenende so kaputt gearbeitet vom Bürojob, dass du kaum Zeit für deine Kinder, geschweige denn Hobbys oder Engagement in welcher Form auch immer, findest? Das soll ein erfülltes Leben sein?“

Auch ein naturfreundlicher Garten ist Engagement.

Natürlich spreche ich es nicht laut aus aber es zeigt mir, dass jeder in seiner eigenen Welt lebt, mit seinen ganz eigenen Prioritäten und oft nur wenig Verständnis anderen Lebensentwürfen gegenüber herrscht. Manchmal fällt es mir schwer, anderen keinen Vorwurf über ihr Nichtstun im Leben zu machen.
Aber dann erinnere ich mich, dass ich selbst viele, viele Jahre gebraucht habe, bevor ich begann umzudenken und daraus der Wille entstand, Etwas anders zu machen. 

Doch das soll nicht Thema sein. Soll doch jeder Leben wie er es will?

DIY pur: ich beim Schafscherkurs mit Jan Hartmann!

Wir wollen mit unserem Dasein wenigstens versuchen etwas besser zu machen und andere zu inspirieren, über ihre Handlungsmöglichkeiten nachzudenken. Wir können nicht nur rumsitzen, schimpfen und hoffen das andere was tun.
Deshalb stören uns derartige Aussagen nicht sonderlich und wir können mit einem Lächeln sagen: „Ja, wir sind gerne anders und stehen dazu.“

Zu einem etwas nachhaltigeren Leben gehört auch das Selbermachen verschiedenster Dinge. Das soll eigentliches Thema meines Artikels sein.

Am Anfang steht die Frage kaufen oder selbermachen? Das hat nicht nur etwas mit Kaufkraft zu tun, sondern mit Wertschätzung, Qualität, Neugierde, Experimentierfreude und natürlich einem ökologischen Bewusstsein.

Schon die alten Griechen strebten nach nützlichem Wissen.

Der erste Gedanke, dass es ja billiger ist, etwas selbst herzustellen, stellt sich bei näherer Betrachtung aber oft als falsch heraus. Nicht nur die vielen Zeitstunden, die wir investieren (um etwas zu lernen und es dann anzuwenden), sondern auch die Verwendung qualitativ hochwertiger Rohstoffe/Ausgangsstoffe kostet seinen Preis.

Vor allem Ersteres wird oft unterschätzt. Schon die alten Griechen beschworen als oberste Priorität „das Erlernen von Nützlichkeiten“, denn „Weisheit ist die Anwendung von erworbenem Wissen“ und „Wissen ist bekanntlich Macht“. In unserem Fall ersetzen wir das Wort Macht wohl eher durch Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Nun hat dieser lebenslange Erkenntnisprozess so seine Tücken. Bei vielen Gelegenheiten sind wir mit unseren Selbstmachbemühungen auf die „Schnauze“ geflogen.
Ob es eingeweckte Gläser voller Leckereien sind, die Kellerregal bersten, oder Stromschläge die man sich bei unsachgemäßer Handhabung von Solarmodulen abholt, die Liste des Scheiterns ist vielfältig. Learning by doing über try and error – haben wir es einst spaßhaft betitelt. Allerdings ist dies sehr langwierig und manchmal frustrierend.

Zum Glück gibt es aber Menschen, die Wissen was wir benötigen, haben und bereit sind, es weiter zu geben. So kann man sich vielleicht den ein oder anderen error sparen.

Schafe machen Arbeit: hier Klauenpflege.

Innerhalb der fünf Lebensbereiche, „Eating, Housing, Clothing, Energy und Mobility“ bemühen wir uns trotzdem auch weiterhin um ein selbstbestimmtes Leben.
Alleine die „Wollschöpfungskette“ mit Schafhaltung und -Pflege, Scheren, Waschen, Färben, Kardieren, um das Fasergold letztendlich zu Garn zu spinnen und Socken daraus zu stricken, bedarf Unmengen Know-How, Zeit und Equipment.
Wäre es da nicht einfacher Industrieware zu kaufen?
Einfacher ja, aber dann haben wir es ja nicht selbst gemacht, wissen nicht wie es den Schafen ging, wie und wo im Verarbeitungsprozess die Umwelt belastet wurde, ob Maschinen oder Menschen die Arbeit verrichteten, ob Letztere gerecht bezahlt wurden und von den Transportketten ganz zu schweigen.
Welchen Fußabdruck man auch immer nehme, es wäre ein riesiger!

Sicher habt Ihr schon Bilder oder Videos gesehen, wie wir unsere Schäfchen scheren aber wie die Wolle danach weiterverarbeitet wird, das konnten bisher hauptsächlich die Instagramm-Nutzer nachvollziehen, die ildi_von_der_cityfarm in der Insta-Welt folgen.

So muss die Wolle sofort nach der Schur sortiert werden, heißt die schmutzige Bauch-Beine-Po-Wolle wird aussortiert und landet entweder im Garten oder wird gesammelt zum Düngepellethersteller geschickt (ist für dieses Jahr geplant).
Die restlichen Wollvliese werden, in Kisten verpackt, ins Lager geschafft, um sie bei warmen Frühlingswetter auf dem Dach zum Nachtrocknen ausbreiten zu können. Einen Teil der Wolle verwenden wir als ungewaschene Rohwolle zum Filzen (z.B. für unsere Sitzfellchen).
Der Rest wartet bis zum Winter auf seine Weiterverarbeitung, denn während der Saison fehlt uns einfach die Zeit dafür, zumal im August/September die 2. Schur ansteht.

Selbst gefärbte Wolle

Ist dann der Winter gekommen, wird die Wolle Stück für Stück gewaschen. Entweder auf Gittern ausgebreitet vom Regen (was seeeeehr lange dauert) oder in einem alten Wecktopf mit Wollseife und Wasser.
An der Rotte, also Fermentation, habe ich mich auch einmal versucht, fand es aber unglaublich eklig und es verbrauchte für meinen Geschmack zu viel Wasser diesen Ekelfaktor zu raus zu waschen (auf der Farm haben wir ja nur Regenwasser und sowas kann ich nur auf der Farm machen, da es schlimmer stinkt als Brennesseljauche!).

Als Anhaltspunkt: Die Wolle einer kleinen Skudde wird in 2 Teilen 2-3x gewaschen, weil sie unglaublich viel Wollfett enthält. Gut 1/3 des Wollgewichts entfällt bei dieser Rasse auf Fett.
Im Gegensatz dazu wird die Wolle von Obiwan oder Kenobi auf 4 Teilstücken 1x gewaschen. Weniger Durchgänge aber viel mehr Wolle.

Im gleichen Wecktopf wird die Wolle bei Bedarf auch gefärbt

Bunte Wolle auf der Kardiermaschine.

Dieser ganzen Vorarbeit folgt nun das Rupfen, wofür wir extra ein Gerät, den Wollpicker, angeschafft haben. Da wird die Wolle unten rein gestopft, die Wiege per Hand bedient und hinten kommen lockere Wollfläckchen wieder raus. Natürlich kann man das auch per Hand machen, es geht bei den Mengen aber schneller mit dem Picker.

Die nun schön aufgelockerte Wolle kann jetzt kardiert werden. Eine Kardiermaschine kämmt die Wolle und richtet die Fasern halbwegs gleichmäßig aus. Dabei werden zudem letzte Verschmutzungen und Knötchen entfernt.
Heraus kommt ein schönes Kardenband, auch Wollbatt genannt. Verwendbar ist dies nun entweder zum Filzen oder um einen Faden daraus zu spinnen.

Ihr seht, allein schon die Vorbereitung der Wolle erfordert Einiges an Wissen und Material.

Das neue Spinnrad!

Zum Spinnen braucht Frau dann wiederum ein Spinnrad (welches der liebe Mann ihr zu Weihnachten schenkte, danke!) oder eine Handspindel und jemandem, der es einem erklärt.

Klar kann man sich heutzutage mit Youtube behelfen. Aber einen direkten Ansprechpartner zu haben, der einen auf Fehler hinweist oder Fragen beantwortet, kann das Internet nicht bieten. Wir haben dafür unsere liebe Spinnerin Inge, die uns mit ihrem lebenslangen Erfahrungsschatz zur Seite steht und bei uns mit uns Spinnkurse durchführt.

Danke liebe Inge!

Jetzt kommt etwas unbeauftragte Werbung, weil ich Euch von den besuchten Kursen berichten möchte:

Meine selbst gemachte Schäferweste!

Das Gleiche gilt beim Filzen, vor allem wenn Frau etwas kompliziertere Dinge, wie z.B. Kleidung, anfertigen möchte.
Dafür
habe ich sogar extra einen Kurs in Regensburg besucht und dort gelernt eine Weste zu filzen. Ganz ehrlich: ohne die Anleitung der Filzkünstlerin Caro Lanzendörfer hätte ich das niemals hinbekommen!
Allein schon die Festlegung des Schnittes ist eine Wissenschaft für sich.
Dann die Schrumpfeigenschaften der verschiedenen Wollarten und wie sich Wolle im Filzprozess in ihren Eigenschaften verändert – viel Fachwissen und Können, was
Frau erstmal lernen muss!
Es war auf jeden Fall ein sehr spannender Kurs und heraus gekommen ist eine ganz tolle Weste.

Caro hat in ihrer Werkstatt auch einige Webstühle stehen, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Aber erst mal das Spinnen und Filzen gut hinbekommen, dann kann ich mich am Weben versuchen.
Nächstes/Übernächstes Jahr oder so.

Willkommen in Bianca’s wilder Kräuterei.

Alles hat seinen „Rattenschwanz“.
Allein schon nach intensiver Arbeit und viel Körperkontakt mit den Schafen braucht Frau (ja, auch der liebe Mann, der Benni) ordentlich viel gute Seife.
Nicht, dass mir der Geruch unangenehm wäre, im Gegenteil ich liebe ihn! Aber zahlreiche Stadtnasen haben dann doch ein kleines Problem mit dem bleibenden olfaktorischen Eindruck.
Das merke ich schon, wenn ich nach der Farm in Arbeitsklamotte noch schnell beim Fressnapf reinschau, um Fluff und Keule mit Kaustängchen zu beglücken.
Ich denke mal, mittlerweile haben sich die Verkäuferinnen an mich und mein Schafstallparfum gewöhnt, doch von anderen Kunden ernte ich oft verstörte Blicke und gerunzelte Nasen.
Frau wird dann manchmal ganz paranoid, wenn sie in z.B. einer wichtigen Besprechung sitzt und das Gefühl hat, leicht nach Schaf zu riechen.
Zum Glück beteuern befragte Freunde dann, dass dies nicht der Fall sei. Wirklich? Aber so ist das nun mal als CityFarmer, City und Farm harmonieren nicht immer perfekt.

Schöne Kaffeeseifen mit Peelingeffekt!

Aber wieder zurück zur guten Seife.
Auch zum Wollewaschen und Filzen benötigt Frau diese, am besten eine, die Fasern und unsere Haut schont. Klar kann ich mir Kernseife im Supermarkt kaufen (greift aber die Haut arg an) oder schweineteure Spezialseife im Fachhandel.
Oder – ihr erratet es sicher schon – Frau macht sie selbst.

Dieser Winter bot sich aus mehreren Gründen an, endlich das Seifenmacherhandwerk zu erlernen. Da hier aber mit gefährlichen Substanzen gearbeitet wird, kam try and error diesmal nicht in Frage. Daher besuchte ich einen Seifenkurs in Bobingen bei „Biancas wilde Kräuterei.

In Gegensatz zu früher (Seife wurde aus Tierfett und Pottasche hergestellt) verwenden wir heute pflanzliche Öle und Fette für unsere Seifen.

Bianca beim Eingießen des Seifenleims.

Allerdings ist das regionale Angebot an benötigten Ölen sehr begrenzt, sodass spezielle Öle und Fette aus entfernteren Gegenden beschafft werden müssen. Selbst wenn Frau dabei auf Bio und Fairtrade achtet, ist der Ökologische Fußabdruck meiner Seife nicht mehr der Beste.
Dann doch wieder Tierfett und Pottasche? Lieber nicht, das find selbst ich etwas eklig und ich bin hart im nehmen.
Oder doch einfach eine kaufen? Nein, es geht ja auch ums Selbermachen: da weiß ich was drin ist, kann die Rückfettung steuern und die Seife nach meinem Geschmack färben oder mit Kräutern bestücken.
Es gehört schon etwas Fingerspitzengefühl und eine gute Schutzausrüstung dazu, Seife herzustellen. Temperaturen müssen beachtet und Reifezeiten eingehalten werden.
Biancas Kurs hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich habe viel gelernt!

Spinnen ist eine wunderschöne Arbeit!

So langsam startet aber wieder die Saison.
Die ersten Saaten sind schon gekeimt und wollen bald pikiert werden. Die Saatgutbörse steht am 1. März ins Haus und naja, arbeiten muss Frau auch irgendwann mal.
Aktuell bin ich froh, wenn ich es schaffe abends eine Stunde zu spinnen.
Der Plan ist aber, das Spinnen der vorbereiteten Wolle auch in der Saison fortzuführen, denn im Mai ist ja schon die nächste Schur unserer 18 Wollgesellen. Wir werden sehen, ob und wie sich das umsetzen lässt.
Zudem findet am 21. Februar der erste Augsburger Spinntreff statt, der im optimalen Fall regelmäßig stattfinden soll.

Was die Seifen angeht, werde ich vor Saisonstart noch einen Tag lang verschiedene Seifen ansetzen, in der Hoffnung, dass diese über das Jahr reichen und ich erst kommenden Winter neue machen muss.

Wie Ihr seht, geht einem CityFarmer die Arbeit nicht aus und wenn, dann sucht er sich schnell neue!

Bitte entschuldigt die Qualität der meisten Fotos. Das ist der Nachteil an meinem Öko-Fair-Handy, die Kamera ist nur so naja….

Unser Stand auf dem Regionalvermarktertag zeigt ganz gut unser DIY-Spektrum.

Liebe CityFarm-Freunde,

als Erstes möchten wir Euch ein besinnliches und entspanntes Weihnachtsfest wünschen. Egal wo Ihr die Feiertage genießt, tut es mit Ruhe, nehmt Euch Zeit für Euch und Eure Liebsten.
Ja, das mag abgedroschen und kitschig klingen und sicher runzelt der Ein oder Andere die Stirn, denn bei Regenwetter und Geschenkestress kommt nur wenig Weihnachtsstimmung auf.
Aber Leute lasst Euch sagen; den Stress macht Ihr Euch ganz alleine. Wer meint mit teuersten Geschenken seine Liebe zeigen zu müssen, hat da etwas falsch verstanden, ebenso jene die solche Geschenke als Selbstverständlichkeit erwarten. Aber ja, der Gott Konsum diktiert wie „Liebe“ heute auszusehen hat.
Oder nicht? Klar bleibt es jedem selbst überlassen, wem er was schenkt. Allerdings hat ein wenig Selbstreflektion noch keinem geschadet und dazu lädt das Weihnachtsfest doch geradezu ein.

Onkel Ronny

Auch die Zeit mit der Familie löst bei Manchem eher Schnappatmung als Vorfreude aus.
Aber man kann die Familienzeit auch genießen, heutzutage sieht man sich ja nicht mehr so oft wie früher. Auch wenn es müßig ist, Oma stundenlang über ihre Gebrechen berichten zu hören oder wenn Onkel Ronny seine braunen Kackparolen über die Weihnachtsgans schweifen lässt, versuchen kann man es, der Familie etwas abzugewinnen. Naja, vielleicht nicht unbedingt Onkel Ronny. (Alle nicht braunen Onkel Ronnys: verzeiht mir bitte die Entwendung Eures Namens.)
Wir freuen uns auf jeden Fall, Weihnachten mit und bei unseren Familien verbringen zu dürfen. Auch ohne Schnee ist es eine schöne und besinnliche Zeit.

Nach unserem kurzen Weihnachtsappell wollen wir Euch natürlich noch berichten, was sich in der letzten Zeit auf der Farm getan hat!

Mirabella

Zuerst möchten wir Euch von unserer Prinzessin Mirabella berichten.
Ihr erinnert Euch doch sicher an unsere Schwarznasen-Bergschaf-Dame, deren Wolle so toll wächst, dass sie im Frühjahr aussieht, als trüge sich ein weißes Kleid?
Dieses bezaubernde Schaf ist nun schon seit gut 3 Jahren bei uns. Zusammen mit Obiwan und Kenobi holten wie sie als Lamm aus der Nähe Stuttgarts. Schon damals fiel und auf, dass Mira einen extrem langen Schwanz hat, den sie aber kaum bewegen kann.
Den langen Schwanz bei Schafen hat übrigens erst der Mensch gezüchtet.

rige Schafrassen wie unsere Skudden haben kurze Schwänze (Wildschafe auch) und zählen damit zu den Kursschwanzschafen. Das Thema langer oder kurzer Schwanz, kupieren oder nicht, trägt wie viele andere Themen der Tierhaltung großes Konfliktpotential in sich. Dies aufzuarbeiten würde den Rahmen unseren Blogs sprengen.
Daher bleiben wir bei Mirabella. Aufgrund ihres teilweise gelähmten Schwanzes konnte sie nicht frei urinieren und besudelte sich dabei immer.
Dass dies ihr selbst unangenehm war, konnte der aufmerksame Beobachter leicht erkennen. Nach jedem Pieseln schüttelte sie sich mehrfach, was aber leider alles nur noch mehr verteilte.
Aufgrund des unangenehmen Geruches, den die Prinzessin verströmte, hatte sie auch nur wenige treue Wollfreunde in der Schafgemeinde. Kurz gesagt, war ihre Lebensqualität stark eingeschränkt.
Aber auch für uns war es ein Ärgernis, denn Urinstein lässt Scheren und Schermaschinen sofort stumpf werden. Zudem war ein Teil ihrer Wolle dadurch unbrauchbar und die Hände rochen nach einer Woche noch unangenehm.

So konnte es also nicht weitergehen. Der Schwanz musste ab.
Nach einer Voruntersuchung durch unsere tolle Tierärztin Amelie war klar, dass eine Amputation dringend notwendig war, denn die Unterseite des Schwanzes war aufgrund des scharfen Urins schon stark entzündet.

Endlich dazu gehören! Mira & ihre Homies.

Die OP selbst verlief optimal und Mirabella überstand auch die Narkose gut. Zwar hasste sie alle Menschen die ersten Tage danach, doch sehr schnell konnten wir erkennen, dass die Entscheidung richtig war.
Als der Stumpf abgeschwollen war, konnte sie endlich wieder richtig Wasser lassen, ohne sich zu beschmutzen. Die anderen Schafe erkannten sehr schnell, dass sie nicht mehr stinkt und nahmen sie in der Herde auf. Stand Mira vorher eher einzeln, ragt sie nun mit ihrer Grüße aus einem Skuddenwollbad hervor.
Nach 2 Wochen war alles sehr gut abgeheilt und auch die vorher entzündete Haut regenerierte sich schnell.
Heute ist Mira auch uns gegenüber wieder die Alte, lässt sich kraulen und scheint ihr neues Leben zu genießen.
Danke Amelie, auch im Namen Prinzessin Mirabellas!

Gefilzte Sitzfellchen

Wolle, Wolle, Wolle, ein großer Teil unserer Arbeit dreht sich nicht nur um die Schafe, sondern auch um Wolle.
Ein Blick in unsere Veranstaltungen zeigt, dass dieses Thema uns am Herzen liegt. Es handelt sich schließlich um einen tollen nachwachsenden Rohstoff, der erst die Schafe vor Wind und Wetter schützt und danach uns. Im Frühjahr ist Schurzeit und für unsere Großen im Herbst noch einmal.
Bei 20 Schafen kommt da eine ganze Menge Wolle zusammen. Die muss natürlich verarbeitet werden. Während Bauch-Beine-Po als Dünger im Garten landet, wird ein Teil als Rohwolle zu Filzfellen, Sitzfellchen, Taschen und Körben gefilzt. In diesem Jahr kam nun dank unserer Spinnerin Inge die Verarbeitung zu Garn hinzu. Wir begannen mit einem Handspindelkurs, der Urform des Fadenerzeugens.
Dabei werden aus gekämmter Wolle Haare parallel ausgezogen und verdreht. Die Drehung und später Verzwirnung zweier Fäden übernimmt die Spindel. 

Handspindel

Übrigens hat Dornröschen auch mit einer Handspindel gesponnen und nicht mit einem Spinnrad! Denn einmal gab es erst im 15. Jh. (die älteste Aufzeichnung eines Flügelspinnrades wurde 1488 im Hausbuch Schloss Wolfegg nachgewiesen) Spinnräder in Mitteleuropa. Zum Zweiten hätte Dornröschen sich an einem Spinnrad nicht stechen können, sondern nur an einer Handspindel mit Spitze.

Zum Spinnen muss die Wolle vorbereitet werden, da sich Rohwolle nur schlecht zu Faden verarbeiten lässt. Zuerst wird die Wolle geschwaschen.
Bis in den Herbst hinein übernahm das bei uns der Regen. Durch Regenwasser wird die Wolle sehr weich und fluffig.
Doch nun im Winter weichen wir auf einen alten Wecktopf und die Wohnung aus.
Der wenig dezente Schafgeruch ist nach der ersten Wäsche verschwunden – sehr zur Freude von Benni.
Nachteil ist, dass es sehr viel Wasser verbraucht. Wir werden uns für die Regenmethode also eine effizientere Lösung ausdenken müssen, um mehr Vliese natürlich waschen zu lassen.

Kenobi in Orange

Ein weiterer Schritt der Wollverarbeitung ist das Färben. Auch hier konnten wir zu Hause ein wenig experimentieren.
Ganz unbedenklich ist die ganze Färberei allerdings nicht, denn die Wolle muss vorher gebeizt werden und auch die Färbestoffe sind nicht immer ökologisch unbedenklich. Zum Ausprobieren haben wir Säurefarben verwendet (Ökotex geprüft). Die Wolle wird dabei mit Essig gebeizt, sodass sie die Farbe aufnehmen kann.
Die Ergebnisse zeichnen sich durch außerordentliche Leuchtkraft aus, wie ihr auf Instagramm verfolgen konntet (ildi_von_der_cityfarm).

Aber das sind bisher nur Experimente. Bis wir Kurse dazu geben können, wird noch einige Zeit ins Land streichen.
Statt dessen widmen wir uns lieber weiter dem Spinnen. Das Interesse der Handspindler war so groß, dass wir gleich im Januar einen Spinnradkurs im befreundeten Jugendhaus Lehmbau angesetzt haben. Große Räumlichkeiten und Wärme haben uns zu diesem Veranstaltungsort bewogen.

Inge spinnt schon viele Jahrzehnte und gibt uns ihr Wissen weiter.

Inge sammelt nun schon seit Monaten Spinnräder, die ihr Mann Detlef (unser Schmied) herrichtet und repariert. So hat jeder Kursteilnehmer sein eigenes Rad.

Bild gibt es CityFarm-Wolle!

Die Spinnerin spinnt schon seit vielen Jahrzehnten und gibt uns ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter. Ihr durftet ihr Können auch schon auf manchem unserer Feste bestaunen und selbst versuchen einen Faden zu erschaffen.
Es ist gar nicht so einfach, wie es aussieht. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr auf den Kurs und werden Euch über unsere Fortschritte auf dem Laufenden halten.
Vielleicht gibt es ja bald Garn von unseren Schafen gegen eine Spende an die Farm zu erstehen.

Das Thema DIY bezieht sich natürlich nicht nur auf die Wolle. Ildi besuchte vor Kurzem einen sehr spannenden Seifenkurs in Bobingen aber davon werden wir Euch in einem extra Artikel berichten.

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Der Sandling – das bin dann wohl ich!

Eines noch in eigener Sache:

Unser lieber Benni spendet den Erlös seines Buches „Der Sandling“ (ISBN 3749498792) an die CityFarm, damit wir die Pacht für 2020 bezahlen können. Der Sandling erzählt die Geschichte unseres Hundes Keule und ist damit eng mit der Farm verwoben.

Begleitet Benni auf seiner Reise in Keules alte Heimat!
Nicht nur eine abenteuerliche Geschichte, sondern auch eine gute Tat!

https://www.pustet.de/shop/article/41723233/benjamin_vogt_der_sandling.html

Und für alle Wayan-Fans: seit Oktober 2019 ist Bennis Wayan-Triologie komplett! Mögen Matagesch und Newosoresch mit Euch sein!

https://www.pustet.de/shop/article/41865541/benjamin_vogt_wayan_iii.html

Herbstliche Neuigkeiten

Liebe CityFarm-Freunde,

es ist schon wieder viel zu lange her, dass wir einen Artikel geschrieben haben. Deshalb wollen wir euch heute auf den neusten Stand bringen.

Im letzten Blogpost haben wir Euch berichtet, dass der Bayrische Rundfunk für die Sendung Querbeet mit uns drehen möchte.
Einen ganzen Tag lang wurden Szenen und Sequenzen zum Thema Saatgut und Saatguterzeugung aufgenommen. Ganz schön anstrengen, das können wir Euch sagen! Denn oft müssen Einstellungen mehrfach gedreht werden und wenn man dann zum dritten Mal alles wiederholen muss, zeigt sich, dass dieser Job kein Zuckerschlecken ist. Aber es hat uns trotzdem sehr viel Spaß gemacht mit dem tollen Team zu arbeiten! Heraus kam dies:

Und nun der Superclou!
Dem Filmteam hat es bei uns so gut gefallen, dass sie im kommenden Jahr eine Reportage mit uns drehen wollen! Wow, da blieb uns erstmal die Spucke weg. Aber dann haben wir natürlich ja gesagt und sind jetzt schon total aufgeregt, wie sich alles entwickeln wird. Auf jeden Fall wird es um nachhaltiges Leben und die Wege etwas in unserer Welt zu verändern, gehen, um Natur- und Umweltbewusstsein und natürlich um das Leben auf und mit der Farm.
Es kann also passieren, wenn Ihr uns besucht, gerade die Kameracrew des BR vor Ort ist.

Unser Moppelchen Chocolade.

Das neue Kaninchenhaus

Als wir vor 4 Jahren das neue Gelände bezogen, bauten unsere Helfer und Praktikanten vier Kaninchengehege. Schon damals war uns klar, dass diese eher ein Provisorium darstellten und mehr schnell als schön gezimmert wurden. Doch unsere Tiere mussten so schnell wie möglich vom alten Gelände herunter.

Bau der Gehege im April 2014

Ein größeres Hagelereignis im Frühsommer dieses Jahres perforierte die Dächer an einigen Stellen und die lang anhaltende Nässe Ende 2017 tat dem dem Holz alles andere als gut. Über den Dürresommer hinweg, stellte dies alles jedoch kein Problem dar.
Es regnete nicht, weshalb die Gehege trocken blieben und das morsche Holz gut durchtrocknete.

Doch im Herbst war bald klar, dass die Situation sich dringend ändern muss! Somit starteten wir eine Spendenaktion für ein neues Kaninchenhaus. Insgesamt konnten wir 600 Euro sammeln und haben nun ein richtiges Gartenhaus erstanden.
Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Kaninchenpaten und Spender!

Aktuell sind wir dabei die Gehege abzureißen. Noch werden wir dabei von aufgeregten Langohren umhoppelt. Kaninchen mögen Veränderungen gar nicht und eine derart umfassende geht erst recht nicht. Daher zieht die Bande noch diese Woche ins Gewächshaus, damit wir den Umbau voran treiben können. Spätestens Ende Januar soll alles fertig sein, damit die Hoppler wieder einziehen können.

Kenobi unser Hundeschaf mit Ildi

Patenschaften

Wo wir schon beim Thema Tiere sind.
Mit dem neuen Jahr vergeben wir wieder
Patenschaften für einige unserer Vier- und Zweibeiner. Neu aufgenommen haben wir Ori, Elfie und Mirabella.

Schoko unser Fressmonsterchen

Eine Patenschaft ist eine gute Möglichkeit Kinder an Tiere heranzuführen. Oder aber für alle, die sich ein Tier wünschen, doch weder Platz noch Zeit dafür haben oder die Verantwortung scheuen.

Wir finden, Zeit mit Tieren zu verbringen, ist etwas ganz besonderes. Jedes besitzt einen eigenen Charakter (sogar Hühner!), hat ein reges Gefühlsleben, mal gute und mal schlechte Tage. Das erkennt an aber nur, wenn man sich auf das Lebenwesen einlässt, seine Sprache lernt und seine Bedürfnisse kennt und respektiert.

Auch 2019 wird es sicher wieder Biberle geben!

Oft ist Letzteres gerade für Kinder sehr schwer. Sie verstehen manchmal nicht, dass ein Kaninchen welches weghoppelt, eben nicht gestreichelt werden will und man es dann nicht zwingen darf, sich anfassen zu lassen.

Im Gegensatz dazu gibt es wiederum Tiere, die alles mit sich machen lassen. Wie unser Obiwan zum Beispiel. Er liebt Kinder, vor allem wenn sie ein Stück Brot dabei haben.
Das Ganze ging einmal soweit, dass ein kleiner Junge, der in seiner alten Heimat mit Schafen aufwuchs, ihn an den Hörnern packte und sich kurzerhand auf seinen Rücken schwang! Es sah aus, als sei es sowohl für Obi, als auch für
den Jungen das Gewöhnlichste der Welt zusammen über die Wiese zu reiten.

Tiere sind eine Bereicherung für unser Leben und das wollen wir über unsere Patenschaften weitergeben.
Wer mehr wissen möchte oder sich für ein anderes Tier interessiert, darf selbstverständlich eine Email an cityfarmaugsburg@gmx.de schreiben. Gern dürft Ihr auch nach Terminvereinbarung vorbei kommen und Euch Euer Patentier direkt vor Ort aussuchen.

Elfi, Schopfi und Obiwan

Garten

Puh, das war ein wirkliches Extremjahr! Nicht nur, dass es heiß wie Bolle war, auch der Regen ließ monatelang auf sich warten. Und dabei ging es bei uns noch. Regionen im Norden hat es noch viel schlimmer erwischt! Im letzten Artikel berichteten wir Euch schon über die Heusituation.

Raubtierfütterung

Logischerweise hat sich diese enorm zugespitzt, sodass sich viele Bauern und Hobbytierhalter entweder von ihren Tieren trennen oder sich verschulden mussten, weil die Heupreise exponentiell stiegen und immernoch steigen.
Konnte bis vor Kurzem in Polen noch Heu eingekauft werden, wird selbst dort das Futter langsam knapp.

Auch wir füttern das Heu eher sparsam und nur 2x am Tag. Letztes Jahr noch gab es Heu soviel die Tiere wollten, dieses Jahr nur noch morgens uns abends.
Dafür erhalten die Schafe und Ziegen morgens einen Eimer Brot und einen Eimer Äpfel, die schlankeren Gesellen sogar noch Kraftfutter.
Keine Sorge, die Tiere hungern nicht aber sie leben auch nicht so im Überfluss wie 2017.

Auch dem Garten hat die Dürre zu schaffen gemacht.
Ihr wisst ja, das wir keinen Wasseranschluss haben und nur das aufgefangene Regenwasser für den Garten nutzen können. Blöd halt, wenn es dann nicht regnet.
Befänden wir uns jetzt nicht in einer globalisierten Welt, hätten wir diesen Winter einen legendären Hungerwinter! Diese erschreckende Tatsache ist den wenigsten klar. Doch ein kurzer Blick in unseren Einkaufskorb zeigt, dass nur wenige Waren aus Deutschland stammen.
Auch die höheren Preise für Kartoffeln und co. weisen auf eine sehr schlechte Ernte in Europa hin.

Es war ein enorm ergiebiges Tomatenjahr!

Wir haben die Dürre auch deutlich an unserer Ernte gemerkt! Die Zucchinis haben nur getragen, weil sie 1x in der Woche Wasser bekamen, die Kürbisse waren klein und spärlich gewachsen, die Bohnen winzig und krumm.
Sogar die Topimanbur, der sonst kaum etwas anhaben kann, hat in diesem Jahr sehr wenige Knollen.

Dafür gab es eine überreiche Obsternte! Angefangen mit den Johannisbeeren bis hin zu Äpfeln und Birnen.
Das hat ein wenig dafür entschädigt, dass es kaum Kartoffeln und Bohnen zu ernten gab.

Auf unsere Sorte Robila ist immer Verlass!

Ebenso ein gutes Jahr war es für Erbsen, die ja schon im März gesät wurden und vom winterlichen Niederschlag profitierten.
Auch Kräuter fühlten sich sehr wohl, entsprach das Klima doch der Heimat vieler Gewürz- und Teepflanzen, nämlich dem Mittelmeerraum.

Erstaunlicherweise wuchsen auch unsere Möhren und Pastinaken hervorragend! Diese konnten wir nicht einmal mulchen, weil sie ja regelmäßig gehackt werden müssen.
Scheinbar reichten die feinen Haarwurzeln der Pflanzen tief genug, um sich mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen.
Aber es liegt mit Sicherheit auch an den Sorten. Unsere Möhrensorte ‚Robila‘ ist einfach sehr robust.
Auch der Kohl wuchs recht gut, zwar waren die Pflanzen kleiner, wie bei unserem Lippischen Braunkohl zu sehen, dennoch gaben sie genug Ertrag. Kohl zeigt sich einmal mehr als Alleskönner mit einer recht großen ökologischen Toleranz!

Glöckchen-Chili

Und welche Pflanzen hatten das Beste Jahr? Natürlich die Tomaten, die Paprika und Chilis! Selbst empfindliche Fleischtomatensorten konnten im Freiland angebaut werden und es traten kaum Probleme mit Krautfäule oder anderen Krankheiten auf.
Auch die Chilis und Paprikas fühlten sich ganz heimisch, waren robust und trugen im Gewächshaus noch bis in den Dezember hinein.

Wie wird sich das Ganze weiterentwickeln? Betrachten wir die Prognosen und Vorhersagen, dann werden die zukünftigen Sommer auch eher Extremwetterlagen zeigen. Die lang anhaltenden Wetterperioden hängen mit dem Jetstream zusammen, einem wellenförmigen Höhen-Starkwindband welches für unser Wetter maßgeblich entscheidend ist. Wer mehr erfahren will,darf beim Weather Channel weiteresen.

Bei Bohnen auf trockenheitstolerante Sorten zurückgreifen.

Es ist nicht so, dass der Klimawandel kommt, er ist schon da! Für uns bedeutet dies, dass wir uns anpassen müssen. Es geht nicht mehr, nur darüber zu reden, was getan werden kann. Wir müssen handeln und zwar jetzt!
Wir können die Veränderungen nicht mehr aufhalten, auch wenn dies medial immer wieder suggeriert wird. Es ist schlicht und einfach falsch!

So werden wir in den kommenden Jahren den Anbauschwerpunkt auf Pflanzen mit hoher Trockenheitstoleranz legen und versuchen einige besondere Gemüsesorten den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Zudem bauen wir unser Mulchkonzept aus, was den Boden schützt, Verdunstung vermindert und Mikroorganismen füttert.

Kräuter fanden das Jahr hervorragend!
Foto: Rosemary Photography

Eine Herausforderung ist, dass es bei höheren Temperaturen im Boden zu einem schnelleren Humusabbau kommt. Fehlt dann der Nachschub an organischer Substanz, verlieren die Böden langfristig an Fruchtbarkeit. Kleinflächig kann dem mit einer Mulchschicht entgegengesteuert werden.

Regenwasser müssen wir noch effektiver auffangen, damit nichts mehr verloren geht. Wenn also jemand Dachrinnen übrig hat, freuen wir uns über ein Upgrade. Unsere antiken Weltkriegsdachrinnen leiden an chronischer Rostlochinitis.
Einerseits müssen wir verhindern, dass der Boden an Feuchtigkeit verliert aber auch gleichzeitig effektiver Wasser sammeln.
Wir werden uns in Rumänien, Ungarn und anderen kontinentalklimatischen Ländern nach altbewährten Anbaumethoden umsehen. Dort kommen die Menschen mit heißen und trockenen Sommern gut zurecht. Oft handelt es sich um Mischkulturen wie beispielsweise Mais mit Kürbissen zusammen anzubauen.

Der Lippische Braunkohl kommt auch mit Trockenheit gut klar.

Aber auch bisher eher exotische Pflanzen können in unseren Garten Einzug halten.
Vor zwei Jahren experimentierten wir mit der Süßkartoffel und hatten einen hervorragenden Ertrag! Der Sommer war auch sehr heiß und trocken. Letztes Jahr dagegen zogen sich Winter und Frühjahr bis weit in den Juni hinein.
Zwar wurde es danach auch heiß und wenig Niederschlag dominierte, doch der Süßkartoffel reichte die Zeit nicht mehr aus und wir ernteten nur sehr wenige kleine Knollen. Im kommenden Jahr werden wir es wieder versuchen!

Wäre Benni nicht allergisch gegen Erdnüsse, wäre auch dies einen Versuch wert.

Vielleicht pflanzen wir unser Olivenbäumchen nächstes Jahr in den Garten, um zu zeigen, dass nicht alles hoffnungslos ist. Sehen wir doch die Chance als Chance, unsere Gartenkultur mit den sich verändernden Umweltbedingungen weiterzuentwickeln. Wir halten Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!

Nun wünschen wir Euch eine besinnliche Adventszeit!

Liebe Grüße

Eure CityFarmer

Vielleicht, bald….kommt der Winter.

 

Oh, es ist schon Sommer!

Liebe Garten-Freunde,

Nur noch wenige Tage und die Tomatensaison kann losgehen!
Natürlich sind wir für Euch mit unserem Jungpflanzenstand wieder auf dem Frühlingsfest am 06.Mai im Interkulturellen Garten „Grow Up“ in der Reese Kaserne dabei.
Seit Monaten betüddelt Ildi die Tomatenkinder und sorgt dafür, dass es ihnen an nichts mangelt.

In diesem Jahr haben wir auf eine große Vielfalt an Sorten gesetzt. Alle Farben sind vertreten: blau, lila, rot, schwarz, gelb, orange, rosa, weiss, grün und alles Mögliche dazwischen.

Weil wir nicht alle Sorten selbst vermehren können, suchen wir in diesem Jahr Tomatenpaten.
Dazu erfahrt Ihr am Ende des Artikels mehr!

Wie immer startet das Fest um 15 Uhr und diesmal scheint sogar das Wetter mitzuspielen. Nachdem es vergangenes Jahr richtig widerlich schneeregnerisch war, kann es 2018 ja nur besser werden!

Foto: Rosemary Photography

Doch Vorsicht liebe Gärtnerlinge, seid nicht zu enthusiastisch und wartet noch ein paar Tage, bis Ihr die empfindlichen Kulturen ins Freiland setzt.
In der kommenden Woche erreicht uns ein kleiner Temperatursturz und es kann Nachts unter 5°C werden. Auch wenn Eure Pflänzchen dies überleben, ziehen sie in Sachen Wachstum erstmal die Notbremse. Hier zahlt sich Geduld in früherer Ernte aus, denn Pflanzen mit Wachstumsverzögerung bringen natürlich auch später Früchte.

Im Garten auf der Farm hinken wir mit der Arbeit ein wenig hinterher und kommen daher gar nicht in Versuchung die gefährdeten Jungpflanzen zu früh ins Freiland zu setzen.

Konnte ja keiner ahnen, dass der Sommer dieses Jahr im April beginnt!
Unsere Wollträger leider ein wenig unter der Hitze, schließlich haben sie ja noch ihren Wintermantel an! Tagsüber sieht man die Schäfchen daher nur im Schatten liegen. Bald aber kommt der Pelz ab, denn am 17. Mai ist Schertermin.

Benni kann sich ausziehen, Obiwan leider nicht.
Foto Rosemary Photography

Nicht nur die Wolle der Schafe  wächst und wuchert, auch alles Grünzeug auf der Farm, als wäre es schon Mitte Juni. Mit der Arbeit im Garten sind aber erst im April. Das Beikraut droht schon jetzt die Beerensträucher zu verschlucken und das Vorbereiten der Beete gleicht eher dem Umstechen einer Wiese.

Aber auch das wird werden, bisher war unser Garten ja immer eine Mischung als Wildnis und Kultur.

Am Wildbienenhotel summt das Leben in vollem Gange.

Eine Belohnung unserer Arbeit zeigt sich im reichen Insektenleben auf der Farm.
Während andernorts, ja sogar in manchen Ecken Augsburgs Klagen über die Abwesenheit von Bienen an unsere Ohren dringen, tobt bei uns das Leben!
Das neue Wildbienenhaus, welches wir vor Kurzem aufhängten, ist jetzt schon fast überbelegt.
Sogar die grossen, blauen Holzbienen zeigen sich regelmäßig und suchen Nistmöglichkeiten.
Auch die Honigbienen sind fleissig und zahlreiche Schmetterlinge durften wir schon begrüssen.

Im Werkzeugschuppen haben sich wie jedes Jahr die zarten Feldwespen mit nun 3 Nestern eingemietet und eine dicke Hornissenkönigin mussten wir davon überzeugen, doch bitte nicht auch noch in der Hütte zu nisten.

Woran liegt es, dass unser Insektenreich lebendig und reichhaltig ist und anderswo fast nicht zu entdecken? Vielleicht an unserer Lage, denn wir sind ringsum von Biotopen umgeben. Nur ein Feld grenzt an und obwohl der Bauer fleissig spritzt, scheint unsere Farm ein Insektenhimmel zu sein.

Die Kräuter lieben das Wetter und die Insekten lieben blühende Kräuter!
Foto: Rosemary Photography

Vielleicht ist auch die mosaikartige Struktur der Farm insektenfreundlich, die offenen Lehmkanten um die Beete, die Totholz- und Steinstrukturen und natürlich der Wildwuchs zwischen den Kulturpflanzen.

Wir hoffen, dass es auch in den nächsten Jahren so bleibt. Uns geht jedesmal das Herz auf, wenn Besucher staunend vor den Wildbienenhäuschen stehenbleiben und sagen: „Das sind Wildbienen? Wow!“.

Wir können ja den Versuch starten, dass jeder von uns ein „Unkrautbeet“ stehen lässt und daneben ein kleines Wildbienenhäuschen (bitte nicht aus dem Baumarkt, die sind Schrott! Schaut unter www.naturgartenfreude.de/wildbienen/nisthilfen) aufstellt. Vielleicht können wir damit ein wenig das Summen und Brummen in unserer Umwelt fördern!

Habt Ihr Euch vielleicht schon gefragt, was das für wahnsinnig schöne Fotos im Artikel sind? Unsere langjährige CityFarmerin und Fotografin Laura von Rosemary Photography hat die Farm im schönsten Frühlings-Sommer eingefangen. Danke Dir liebe Laura für die tollen Bilder, wir können uns gar nicht entscheiden, welche wir hier präsentieren.

Natürlich Ildis Lieblingsbild!
Foto: Rosemary Photography

Wir suchen Tomaten-Paten!
Update: Vielen Dank an unsere neuen Paten, es wurden alle Sorten vermittelt!

Du hast Platz für 3-4 Pflanzen der gleichen Tomatensorte und wolltest schon immer lernen wie man Saatgut nimmt? Oder du bist schon ein alte Hase und in Sachen Tomaten kann Dir keiner was vormachen?
Dann melde Dich bei uns, werde Tomaten-Pate und hilf mit die alten und seltenen Sorten zu erhalten!
Schreibe entweder eine Email an cityfarmaugsburg@gmx.de oder eine PN über Facebook.

Infos zu den Sorten findet Ihr unter http://www.tomaten-atlas.de

Balkontomate Fuzzy Baby.


Vermehrt werden müssen folgende Sorten:

Fleischtomaten: Firework, Chocolade Stripe (rotbraun), Blue Beaty (lila-rot) und Anis rumänische Fleischtomate (rot)

Stabtomaten: Schwarzer Teufel (blauschwarz-orange), Bursztyn gelb, Opas Liebling(rot)  und Orange Banana

Cherry-/Cocktailtomaten: Aprikosenkirsche (apricot), Purple Dragon (lila-rot-braun), Sprite (rot) und Indigo Cherry Drops (rot-blau-braun)

Ampeltomaten (kleinwüchsige Sorten): Rotkäppchen, Fuzzy Baby  (rot-gelb) und Tumbling Tom Red

Einmal Luft machen bitte

Im Garten

Im Garten Sommer 2016

Heute morgen quälte ich mich mit Bauchweh aus dem Bett und wenig später zu den Tieren. Denn diese interessiert es nicht, ob es mir gerade gut geht oder nicht, sie wissen nur um ihren Hunger.
Da heißt es Zähne zusammen beißen und durch. Glücklicherweise habe ich früh einen zeitlichen Spielraum bevor ich zur Arbeit muss. Dies beschert mir momentan den morgendlichen Fütterungsdienst, da alle anderen noch im Dunkeln zur Arbeit müssen.

Die kurze Tageszeit bringt am Nachmittag ähnlich Probleme mit sich. Während ich es unter der Woche selten schaffe vor dem Dunkeln auf die Farm zu kommen, hat unser lieber Rachmed noch bei Tagesstunde Feierabend und versorgt die Tiere. Für andere Dinge bleibt jedoch keine Zeit.

Jetzt fragen sich sicher einige unter Euch, worauf ich hinaus will. Dies werde ich Euch nun berichten:

Als ich heute gerade dabei war, mit klammen Fingern das Kaninchenfutter herzurrichten, meldete Kira Besucher am Tor. Zwei Herren begrüßten mich freundlich und zückten sogleich ihren Ausweis. Polizei stand darauf geschrieben. Ich ahnte aber noch nichts böses, denn ab und zu wird hier hinten im Eck nach dem Rechten geschaut und das ist auch gut so (ich erinnere an unseren Ärger mit den Junkies im Sommer).

Hallo, ich bin Lolek!

Hallo, ich bin Lolek!

Doch diesmal ging es wirklich um uns, denn besorgte Bürger hatten die netten Herren alarmiert.
Allerdings nicht, um ein Pennerlager im Biotop aufzulösen oder eventuelle Einbrecher davon abzuhalten unsere Eier zu klauen, auch nicht weil unsere Ziegen die Bahnlinie unsicher machen oder irgendwelche Deppen Müll vor unserer Türe abladen.
Nein, die pflichtbewussten Bürger fühlten sich in ihrem deutschen Ästhetikgefühl verletzt. Von Verhau war die Rede und ob wir das überhaupt dürften hier ästhetisch mangelhafte Hütten hinzustellen.
Zum Glück waren die beiden Herren vom angenehmen Menschenschlag, hatten aber leider keine Zeit sich die Farm von innen anzuschauen.

Mich stimmte dieser Vorfall erst wütend, dann nachdenklich und zum Schluss traurig. Ich fragte mich was für Leute das waren, deren Auge wir beleidigt hatten. Uns kennt jeder hier im Eck, wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu näheren und entfernteren Nachbarn, alle regelmäßigen Spazier- und Gassigänger kennen uns und wissen was wir tun.
Vielleicht jemand der mal eben den jährlichen Friedhofsgang absolvierte und danach in die falsche Richtung lief? Da drängt sich mir die Frage auf, aus welchem Grund diese Mitmenschen den Weg nicht bis zum Ende liefen?

Willkommen liebe Gäste, tretet ein!

Willkommen liebe Gäste, tretet ein!

Spätestens dort hätten sie an unserer Tafel erkannt was der „Verhau“ hier darstellt. Es steht sogar für Notfälle meine Telefonnummer angeschlagen, sodass jederzeit, auch wenn niemand vor Ort ist, nach einem Gespräch gesucht werden kann. Und ein Notfall schien es ja gewesen zu sein, wenn gleich die Polizei gerufen wurde.

Ja, wir wissen, dass gerade vom Weg aus der Blick auf das Gelände eher abenteuerlich anmutet. Bei den Meisten weckt aber genau dies Interesse, sie kommen, lesen und suchen das Gespräch. Vielen davon begegnen wir auf unseren Festen wieder.

Ja, wir wissen auch, dass die Uneinheitlichkeit, Buntheit, die verschiedenen Bau- und Werkstoffe unserer Hütten nicht dem deutschen Ordnungsgefühl entsprechen. Das geht auch gar nicht, denn unsere Mitfarmer kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus: Madzedonien, Kasachstan, Rumänien, Griechenland, Bulgarien, sie haben Wurzeln auch in Ungarn, Türkei, Kolumbien und Russland.
Alle diese Menschen bringen eine unterschiedliche Auffassung von Ästhetik und Ordnung mit aber auch viel Wissen, Erfahrung und Inspiration. Wir reden nicht über Integration und ein nachhaltiges Leben, wir machen einfach!
Aber das bringt auch seine Probleme mit sich, unter anderem verletzte Ästhetikgefühle.

Foto: Laura Matthews Steingärtchen

Foto: Laura Matthews
Steingärtchen

Dazu kommt, dass wir ein kleines Projekt im Rahmen eines gemeinnützigen Vereines sind.
Was das bedeutet?
Es heißt, dass wir unter chronischem Geldmangel leiden und alle neben der Farm arbeiten gehen. Übriges Geld (meistens von uns privat investiert) wird in notwenige Dinge wie z.B. Heu, Stroh und Tierarztkosten investiert.
Selten bleibt da etwas übrig um Dinge wie Farbe oder neues Bauholz zu kaufen, mit der wir allen Hütten baumarktliche Einheitlichkeit verpassen könnten, um das Auge von Spaziergängern weniger zu beleidigen.

Es tut uns auch leid, dass eben gerade Winter ist und der Bauer seinen Mais schon geerntet hat, welcher unseren „Verhau“ wunderbar über den Sommer tarnte. Und dann auch noch die doofe Hecke, die im Winter ihre Blätter abwirft und den Blick ins unordentliche Hühnergehege und hinter die Kaninchenställe preis gibt!
Es tut uns nicht leid, dass wir aus ökologischen Gründen keine Thujahecke pflanzen und den Hartriegel vor sich hin wuchern lassen. Dafür gibt es bei uns Rotkehlchen, Spatzen, Zaunkönige, Blaumeisen, Goldammern und Grünfinken! Auch unser Gemüsegarten ist wild und er soll es bleiben! Wir geben den bösen „Unkräutern“ Raum, denn sie sind nicht nur Futter für die Bienen!
Das alles mag ja des Klischee-Kleingärtners Auge beleidigen, bereichert aber die ökologische Vielfalt um uns herum, denn diese macht den wahren Wert der Natur aus.
Wir sind gegen Thuja- und Golfrasengärten, die zwar sauber und klinisch rein wirken aber ökologisch betrachtet Todeszonen sind!

Mjammjammjam, Unkraut ist unsere Leibspeis'

Mjammjammjam, Unkraut ist unsere Leibspeis‘

Ja ich rege mich gerade zu sehr auf und steigere mich etwas rein aber ich empfinde das als so traurig und das macht mich schon wieder wütend! Wohin ist unsere Gesellschaft gekommen, wenn ohne einen Kommunikationsversuch und sichtlich ohne Nachdenken gleich die Polizei gerufen wird? Und warum???? Denn die Begründung leuchtet mir nicht ein! Ist die Verletzung des Ästhetikgefühls ein krimineller Tatbestand?

Was sollen wir jetzt tun? Alles abreißen? Oder uns einigeln und abschotten, die Zäune blickdicht machen, damit ja keiner mehr reingucken kann?
Eigentlich nicht das, was wir im Sinne hatten.
Wir wollen doch, dass die Leute zu uns kommen und an unserem Experiment teilhaben.
Denn etwas anderes ist die Farm nicht als ein Experiment, der Versuch einer handvoll arbeitender Menschen ihrem Drang nach Naturnähe, Selbstbestimmtheit und einem Ort abseits der hektischen Stadt näher zu kommen und zwar in einer Gemeinschaft!
Wir teilen unser Grundstück nicht in Parzellen, auf denen dann jeder den Vorschriften in Sachen Rasenlänge, Anbauplan von Gemüse und Vereinsgemeiere nachkommen muss. Klar ist es dann einfacher mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und zu sagen: „Du bist schuld! Dein Garten ist hässlich und entspricht nicht den Regeln!“

Unser schönstes "Unkraut" im Garten.

Unser schönstes „Unkraut“ im Garten.


Statt dessen versuchen wir mit möglichst wenig Regeln unseren CityFarmern die Leidenschaft für das was sie tun zu erhalten. Darum sagen wir auch, dass wir kein Konzept mehr haben, da jeder Neue in der Runde das Gesicht der Farm und der Gemeinschaft verändert.

Ein schlauer Mann hat mal gesagt: „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muß man sich verdienen.“ und „Nur was ich selber denk und tu, traue ich auch andern zu.“
Nun kann man darüber spekulieren was dies über jene besorgten Bürger aussagt. Mir hebt es auf jeden Fall die Laune wieder, sodass ich mich nachher noch einmal aus dem warmen Haus bewege, um ein Quentchen Sonne auf unserem experimentellen Verhau namens CityFarm Augsburg zu ernten und von der kommenden Saison zu träumen.

Um Euer Auge nicht zu beleidigen, habe ich euch die im Text schöne CityFarm-Bilder rausgesucht.
Nun wünsche ich Euch allen ein besinnliches Weihnachtsfest, Gesundheit (!) und inneren Frieden.
Eure CityFarmerin Ildi

P.S. Denkt an unser Crowdfunding für das erste CityFarm-Buch „Urban Gardening mal anders“.
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Foto: Laura Matthews

Foto: Laura Matthews

Der erste Blick ins Bienenhaus! – Video Teil 3

Spannende Zeiten auf der Farm! Letzte Woche haben wir zum ersten Mal das Bienenhaus geöffnet!

Die Bienen waren ganz friedlich und haben nicht ein einziges Mal gestochen. Dafür haben wir weder Schutzanzüge noch Rauch benutzt. Ildi und Benni erzählen im Video sehr viel Interessantes rund um diese tollen Tiere, die unseren Kameramann hörbar ins Staunen versetzen.

Auf Youtube sind schon einige kleine Diskussionen entstanden, auch ihr seid gerne zum kommentieren und weiterverbreiten der Videos aufgerufen.

Viel Spaß!

Was geht voran?

Ich denke erst einmal muss ich mich bei euch entschuldigen, dass wir solange nichts mehr von uns hören oder lesen ließen. Die Gründe reichen von einer dringend benötigten Auszeit, einer Verletzung meiner (Ildi´s) Hand und tausend anderer Dinge die erledigt werden wollten.

Deshalb bitte ich euch es uns nachzusehen, dass wir den Blog etwas ruhen ließen.

Sicher fragt ihr euch was mit der CityFarm jetzt im Winter los ist, wie es den Hühnern geht und ob es sonstige Neuigkeiten gibt. Diese Fragen wollen wir euch heute beantworten, weshalb der Artikel über die industrielle Legehennenhaltung etwas verschoben wird.

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Neues von der Nackthuhnbande

Die Nackthuhnbande entwickelt sich großartig. Leider verstarb eine der schwächsten Hennen schon in der ersten Woche. Die beiden anderen Sorgenkinder jedoch haben sich gut erholt. Liegt bestimmt auch an der Fütterung, denn täglich gibts die feinsten Leckerein!

Jeden Tag andere Leckerbissen, von der Wassermelone bis zum Granatapfel.

Jeden Tag andere Leckerbissen, von der Wassermelone bis zum Granatapfel.

Mittlerweile verhalten sich die Hennen auch wieder wie es sich für Hühner gehört. Wir haben einmal den Pickversuch gemacht und eine handvoll Körner auf den Boden gestreut. Das Interesse der Tiere an den Körnern war zwar vorhanden, doch wussten sie nicht so recht etwas damit anzufangen. Eines der Tiere folgte dem Instinkt zu picken, bewegte sich dabei jedoch nicht von der Stelle und pickte nur wie verrückt auf einem Punkt herum.
Eine andere Henne folgte der Spur der Leckerbissen und pickte mal hier mal da, doch ohne ein einziges Korn zu erwischen. Die anderen standen mit fragendem Blick am Rand und wussten sich gar nicht zu helfen. Nun nach einigen Wochen finden alle gezielt die Körner, sie baden im Sand und benehmen sich wie Hühner!

Als wir ihnen das erste Mal Salat anboten, waren sie fast geschockt – was soll das sein, kann man das fressen? Heute sind sie für jeden grünen Bissen dankbar, wenn auch nicht so radikal wie unsere Gackerbande auf der Farm.

Doch auf die Stange traut sich immer noch nur eine Henne, die anderen haben wohl noch nicht entdeckt, dass sich Hühner auf Stangen sehr wohl fühlen.

Wagemutig auf der Stange.

Wagemutig auf der Stange.                                                          Die Federn sprießen schon und der Kamm ist nicht mehr farblos.

Im Vergleich zu unserer Hühnerbande hinken sie aber noch weit hinterher. Zwar sprießen schon die ersten Federn und die Tiere nehmen an Gewicht und Muskelkraft zu, doch es wird noch einige Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis sie sich von ihrem qualvollen Dasein in der Legeanlage erholt haben.

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Es ist schön ein CityFarmer zu sein, auch mit kalten Fingern!

Jeden Morgen, sobald einer von uns halbwegs aus den Augen schauen kann, gleitet der erste Blick zum Fenster unserer Wohnung. Denn das tägliche Wetter ist für uns von elementarer Bedeutung, selbst in der Stadt. Ein Leben mit den Jahreszeiten. Ob Regen oder Schnee, ob Sonnenschein oder Sturm oder ob die Welt untergeht – die Tiere wollen trotzdem etwas zu futtern.

Wintermärchenland auf dem Weg zur CityFarm am morgen.

Wintermärchenland auf dem Weg zur CityFarm am morgen.

Noch bevor der Gedanke an Kaffee aufkommt, wird im Kopf schon die Kleidung für Mensch und Hund sowie das passende Rad ausgesucht. Die letzten 2 Tage sah das so aus: „Oah Schnee, schon wieder! Dabei wollt ich heut die Beete abharken. Warme Unterhose oder dicke Schneehose anziehen und keine Gummistiefel, Ronja anziehen, heißes Wasser für die Hühner mitnehmen, dickes Bike nehmen, um durch den Schnee zu pflügen. – jetzt Kaffee.“

Für jene die es nicht wissen, wir wohnen nicht auf der CityFarm, wie es auf einem normalen Bauernhof auf dem Land der Fall wäre. Wir wohnen in einer kleinen Wohnung ca. 1km von der Farm entfernt, sogar in der selben Straße aber die ist echt lang.

Was? Schon wieder Schnee? Da bleib ich lieber hier.

Was? Schon wieder Schnee? Da bleib ich lieber hier.

Jeden Morgen steht einer von uns mit der Sonne auf, schlürft einen oder zwei Kaffee, nascht etwas selbstgebackenen Kuchen und radelt, wenn es dann richtig hell ist (naja, so hell wie es an einem verschneiten Wintertag eben wird) zur Farm raus. Dabei bevorzuge ich (Ildi) den unbefestigten Weg hintenrum zwischen den Gartenanlagen hindurch, parallel zur Wertach. Benni dagegen radelt lieber die Straße entlang, er will nach alter Fahrradkuriermanier schnell ankommen.
Ich aber genieße den Morgen, halte unterwegs noch ein Schwätzchen mit dem alten Gärtnermeister Ernst, lasse Ronja mit den Hunden unterwegs spielen und liebe es die frechen Spatzen in den Hecken der Kleingärten zu beobachten.
Der Weg selbst ist verziert mit vielen Schlaglöchern, sodass ich sowieso nicht schnell fahren könnte. Außerdem erinnert mich der Weg an die Straßen meiner Heimat.

Vor allem aber wenn es geschneit hat verzaubert einen der Weg zur Farm und das frühe Aufstehen ist schnell vergessen.

Schon am Tor der CityFarm hört man Kaspar-David-Friedrich im Hühnerstall empört krähen. Da hat mein Schwätzchen wohl wieder einmal länger als die Geduld der Hühner gedauert. Also Hühnerstall auf und … keine Hühner. Nachdem eines der frechen Araukana seinen Wuschelkopf aus der Klappe gestreckt hat, ist selbst den Gackerfreunden ganz hinten klar: es liegt wieder Schnee.

Salli hat mittlerweile vor den Hühnern resigniert.

Salli hat mittlerweile vor den Hühnern resigniert.

An solchen Tagen lässt sich nur selten ein Huhn außerhalb des Stalles sehen, denn der Schnee zählt zu ihren verhassten Wetterlagen, wie Sturm und Hagel. Nur wenn Salli und Mario Freigang bekommen und ich mit Schubkarre und Rechen bewaffnet Kaninchengehege und Stall säubern will, zeigen sich plötzlich alle sieben Stück. Unauffällig schlüpft dann die Hühnerbande aus ihrem Gehege, unter der Schubkarre hindurch, ohne ein goack von sich zu geben, fast unsichtbar. Erst wenn alle im Kaninchengehege sind, geht die Party los – egal ob ich schimpfe und versuche die Bande hinaus zu jagen. Da wird gescharrt, Salatreste zusammengeklaubt, gegackert, sandgebadet und frech der Kaninchenstall auf den Kopf gestellt. Und wehe ich vergaß die Kiste mit Gemüse nach oben zu stellen. Innerhalb kürzester Zeit mutiert die Kiste mit Kaninchenfutter zum Schlachtfeld. Da fliegt die Petersilie, der Salat wird zerfetzt und es werden tiefe Löcher in die Kakis gehackt.

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Es ist eine Freude den Hühnern zuzusehen wie sie sich jetzt im Winter auf alles Grüne stürzen und gierig runter schlingen. Klar gibt es auch kleinere Rückschläge. Zum Beispiel sollte man bei Minusgraden keine Eier draußen vergessen, die frieren nämlich durch und platzen. Oder wenn eines der Kaninchen aufs Nachbargrundstück ausbüchst und wir eine geschlagene Stunde damit beschäftigt sind, den Frechdachs wieder einzufangen. Oder eben, wenn Ildi sich am Morgen aus mangelnder Wachheit das Taschenmesser in die Handfläche rammt.

Niemals Eier im Frost liegenlassen!

Eier und Frost sind schlechte Partner.

Anstrengend? Klar! Aber glücklich!

Auch wenn es vielen Menschen stressig erscheint jeden Tag wegen der Tiere zeitig aufstehen zu müssen, 2mal täglich zu füttern, immer Futter heranzuschaffen und und und, ist es doch für uns immer wieder eine Freude. Es ist schöner für uns im Regen zur Farm zu radeln, als jeden Tag in ein tristes Büro zu gehen und dort seine Pflichtstunden abzuleisten.
Es ist schöner sich mal die Finger bei Eiseskälte am Morgen abzufrieren, als einen Job machen zu müssen den man hasst. Das ist jetzt keine romantische Träumerei vom idyllischen Landleben, denn es gibt auch Zeiten in denen die Arbeit uns über den Kopf wächst und wir ohne unsere Mitmacher auf der Farm ganz schön aufgeschmissen wären.
Aber ich weiß wovon ich rede, denn lange genug musste ich in stickigen Büros sitzen und durfte die Sonne nur hinter dem Fenster sehen. Ich weiß wie es ist jeden Morgen mit Bauchweh zur Arbeit zu stapfen und abends mit hängendem Kopf nur noch ins Bett zu wollen.

Erfolgreiches Containern Tag für Tag.

Erfolgreiches Containern Tag für Tag.

Deshalb bin ich dankbar, dass ich meiner Hände Kraft entdeckt habe und sich und hier die Chance bietet, etwas anders machen zu können. Ich liebe die morgendlichen Rituale mit den Tieren, die Arbeit mit den Kids an den Schulen und ebenso liebe ich es, nach einem harten Arbeitstag auf der Farm schläfrig am Lagerfeuer zu sitzen und später todmüde aber zufrieden in die Kissen zu sinken.
Es hat nie jemand behauptet Selbstversorgung sei leicht aber es macht von innen heraus glücklich!
Der Lohn ist kein theoretischer Gegenwert in Form von Papier.
Statt dessen belohnt mich der Gang in den Keller mit den Regalen voller Eingemachtem und unser überquellender Erdkeller, die täglichen grünen Eier und die Hühner, die mir im Garten hinterherlaufen. Ebenso die Kaninchen, die jeden Morgen erwartungsvoll auf mich zu hoppeln und natürlich das Lachen der Kinder.
Vor zwei Wochen zum Beispiel schrieb eine unserer Gruppen des Sozialpädagogischen Förderzentrums Christophorus Schule einen Test über unsere Exkursion zum Biberpfad – die ganze Klasse schrieb eine 2! Ich hätt vor Stolz auf die Kids platzen können!

Im Groß und Ganzen können wir uns die Zeit frei einteilen. Das ist ein Privileg in unserer heutigen Zeit, wo sich der Bewegungsfreiraum normalerweise auf das Wochenende beschränkt. Vor allem jetzt im Winter beschränkt sich die Arbeit auf der Farm aufs Füttern und ein paar Bauarbeiten. Mit Start der Gärtnersaison sieht das Ganze schon wieder anders aus und wir werden jede freie Minute im Garten verbringen. Nicht, dass es uns stören würde, im Gegenteil es ist wundervoll zu beobachten wie sich im Laufe der Gartenarbeit das erste Grün aus der Erde schiebt und du weißt: Yeah, in 2 Monaten erntest du die ersten Tomaten und nächste Woche den ersten frischen Salat des Jahres!

Warum ich euch dies erzähle? Nun, in letzter Zeit häufen sich die Fragen, wie wir mit unserem Experiment der Teil-Selbstversorgung klar kommen, ob es nicht zu viel körperliche Arbeit ist, warum wir das alles tun und ob wir glücklich damit sind.

Salat, Schnittkohl und Sibierischer Kohl wachsen schon im Februar.

Winterkopfsalat, Schnittkohl und Sibierischer Kohl wachsen schon im Februar.

Die Zeit ist im Wandel, das haben sicher schon viele bemerkt. Unsere Generation muss andere Wege gehen, als unsere Eltern es taten. Wahrscheinlich sind wir auch die erste Generation die weiß, dass sie nie wieder den Wohlstand und den Lebensstandart der Eltern erreichen wird. Deshalb heißt es andere Lebensmöglichkeiten suchen und ausprobieren, es wird Zeit Verantwortung zu übernehmen. Sei es für die Kaffeebauern in Afrika, sei es für gequälte Tiere der industriellen Fleischproduktion, sei es für die Energieproduktion und sei es für alle die nach uns kommen und auch noch eine lebenswerte Welt vorfinden wollen.

Blos keine kalten Füße bekommen!

Nur keine kalten Füße bekommen!

Bis vor wenige Jahren wurde eine solche öko-hippie Einstellung belächelt und sich auf dem erreichten Wohlstand ausgeruht. Nun aber ist es an der Zeit zu hinterfragen woher dieser Wohlstand stammte und auf wessen Rücken er aufgebaut wurde. Ich jedenfalls will nicht mehr, dass die arme Näherin in Bangladesch ihre Kinder nicht ernähren kann, weil sie keinen ausreichenden Lohn erhält. Ich will nicht, dass wegen meinem Kaffeekonsum in Südamerika Kinder auf den Plantagen arbeiten müssen. Ebenso will ich nicht mehr das absurde System der industriellen Nahrungsmittelproduktion unterstützen, die das Ökosystem, unseren Lebensraum völlig zerstört, nur damit alles billigbillig ist. Ebenso will ich nicht mehr daran beteiligt sein, dass jedes Jahr genauso viele noch gute Lebensmittel weggeworfen werden, wie verbraucht werden – so viele um alle Hungernden der Welt satt zu bekommen! Wir sind privilegiert schon allein deswegen, weil wir in der „westlichen Welt“ leben. Gejammert wird hier viel, auf höchstem Niveau, wie man so schön sagt. Aber wir haben doch alles: ein Dach über dem Kopf, jeden Tag mehr Essen als wir verzehren können und sogar Trinkwasser sprudelt aus der Wand.

Wer schon mal in Indien oder Afrika war, der weiß dass die Selbstverständlichkeit mit der wir dies alles hinnehmen, keine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Vielen Menschen wird eben dies bewusst und der Wille entsteht, andere Wege zu gehen. Auch hier in Augsburg wächst das Bewusstsein dafür. Allein in den letzten 2 Monaten hat sich so unglaublich viel bewegt! Es sind Gruppen und Initiativen entstanden, die Menschen finden zusammen und überlegen gemeinsam was getan werden muss, um einen postfossilen und ressourcenschonenden lokalen Weg einzuschlagen. Vom Contact in Augsburg und Transition Town mit der Idee des Ökodorfs, die Gruppe welche sich nach dem Film „Ökonomie des Glücks“ zusammenfand, über Donauwandel bis hin zu kleinräumigen Nachbarschaftsaktionen geht es voran in unserer Stadt.

All diese Menschen inspirieren uns jeden Tag aufs neue, geben uns Kraft und Mut weiterzumachen, denn manchmal scheint uns der Kampf gegen die Windmühlen zu groß. Aber dann steht plötzlich jemand auf der CityFarm, strahlt uns an und erzählt von seiner Idee ein Stück Wiese im Innenhof umzugraben, um für die gesamte Nachbarschaft einen Gemüsegarten anzulegen. Oder die Aktion Donauwandel, einer Art Thinkcamp für nachhaltige Ideen und Initiativen, die in Zusammenarbeit mit der Umweltstation Augsburg die CityFarm besuchen wollen!

Das ist großartig! Es geht voran! Danke euch allen!