Posts Tagged ‘Hühner’

Unsere Hühner und Enten brauchen eure Hilfe!

<3<3<3 Update 25.11.16: Vielen, herzlichen Dank an die Spender!!!! Wir haben jetzt ausreichend Auslaufmöglichkeiten für unsere Tiere!  <3<3<3

WIR SUCHEN DRINGEND PARTYZELTE/PAVILLONS!!!

Die Vogelgrippe ist in Augsburg angekommen und das bedeutetStallpfliche für alles Geflügel. Würde es sich nur um 1-2 Wochen handeln, könnten wir die Tiere bei Laune halten aber wir müssen mit mindestens 4 Monaten rechnen!!!
Da unsere Tiere es aber nicht kennen dauerhaft im beengten Stall bleiben zu müssen, wird sie in kurzer Zeit der Stallkoller überkommen. Gerade Hühner neigen dann dazu, sich gegenseitig üble Verletzungen zuzufügen. Die Stallpflicht bedeutet ungeheuren Stress für die Tiere.

Daher suchen wir händeringend nach Partyzelten und Pavillons, um damit einen provisorischen Auslauf für die Hühner und Enten zu basteln. So können die Hühner zumindest ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Scharren und Sandbaden.

Wenn ihr uns helfen könnt, bitte eine Nachricht oder EMail hinterlassen oder einfach Ildi anrufen unter 0157/84866734

Boaaak, ich will net im Stall versauern, ich bin ein Freilandhuhn, boooaaak.

Boaaak, ich will net im Stall versauern, ich bin ein Freilandhuhn, boooaaak.

Advertisements

Ein guter Start in die Saison und eine erfolgreiche Lämmerzeit

Hallo liebe CityFarm-Freunde,

wie immer im Frühjahr und Frühsommer schwappt eine Welle der Arbeit über uns her. Nicht nur der Garten will bestellt und gepflegt werden, auch diverse Bauarbeiten müssen dringend vor Saisonstart erledigt werden. Nun kam mit unseren neuen vierbeinigen Mitbewohnern natürlich weitere Arbeit hinzu, sodass unsere Webseite eine Weile brach lag.

Aber nun wollen wir euch von Neuem und Neustem berichten.

DSC05107

Blühender Sommer auf der CityFarm mit viel Klatschmohn .

Ein Blick aus dem Fenster bescheinigt, dass die Wetterkapriolen noch nicht vorbei sind. Die Nachrichten sind voll von Bildern die Überschwemmungen, Hagel- und Sturmschäden zeigen.

Auch momentan, während ich hier schreibe schüttet es wie aus Eimern und am Tag kommen schonmal über 20 Liter auf den Quadratmeter zusammen. Lech und Wertach haben Hochwasser, gestern dagegen noch Sonne satt, Hitze, Schwüle, Sommer!
Doch wir wollen uns nicht beschweren, denn so ist es uns lieber als wieder eine Dürre wie im letzten Jahr durchstehen zu müssen. Die schwersten Unwetter zogen aufgrund unserer glücklichen Lage fast immer vorbei und ergossen sich im südlichen Teil der Stadt (das war letztes Jahr der Dürreauslöser, denn jeder Gewitterguss zog an uns vorbei und wir konnten den Regen nur aus der Ferne bestaunen).

Vielleicht erinnert ihr euch auch an das Problem mit unserem schweren Lehmboden, der noch immer arbeitete, sich setzte und in dem sich bei Trockenheit tiefe Risse bildeten, während wir bei Regen im Schlamm ertranken.

Die neue Pergola.

Die neue Pergola gebaut vom Rene und Max.

Nun, mit zunehmender Pflanzenbedeckung (vorn eine Wiese und im Garten jede Menge Beikraut auf den Wegen, ebenso im Hühnergehege) hat sich das Problem recht gut eingependelt. Durch die Durchwurzelung des Bodens versickert das Regenwasser gut und wird durch die Beschattung auch länger im Boden gespeichert. Nun zieht uns der Schlamm nur noch an wenigen Ecken die Stiefel aus, wenn es wiedermal Unmengen regnet.

Bevor die Gartensaison richtig losging, musste aber dringend noch etwas gebaut werden, ein neues Gewächshaus. Die beiden älteren Modelle hielten der Windbelastung nur schlecht stand, waren zu klein und schlecht begehbar.
Im Zuge der Baumaßnahmen entstand vor dem Wohnwagen auch die herrliche Pergola, an der nun Hängesessel und -Matten zum Rumhängen einladen.
Das Material konnten wir dank einer Förderung der
Anstiftung & ertomis kaufen.
Am Gewächshaus fehlt im hinteren Teil zwar noch die passende Folie, doch es schützt schon jetzt zahlreiche Tomatensorten vor Regen und Braunfäule.

Der Garten ist nicht wieder zu erkennen im Vergleich zum letzten Jahr! Das Grün konnte sich dank reichlicher Wasserversorung explosionsartig entwickeln und wuchs uns an einigen Stellen schier über den Kopf. Das schönste Beikraut in diesem Jahr ist der Klatschmohn (Papaver rhoeas), der herrliche Farbtupfer überall auf der Farm säet und den Insekten eine Freude ist.

DSC05053

Frisch geschlüpftes Hühnerküken.

Wir haben uns vorerst darauf verlegt die Gemüse- und Beerenbeete frei von unliebsamen Kräutern zu halten und allen anderen unerwünschten Wildwuchs erst nach und nach vor der Samenreife zu entfernen.
Besondere Freude am Dschungel im Garten haben die Laufenten, denn im feuchten Dickicht verstecken sich bevorzugt die glibbrigen Leckerbissen, die Schnecken. Mit den Gemüsefressern haben wir dank der Laufenten keinerlei Probleme mehr! Auch gehen die Laufenten nicht an das Gemüse, was am ausreichenden Platz liegt. Diese Unart entwickeln die Tiere meistens nur, wenn der Platz zu klein und damit zu wenig natürliches Futter verfügbar ist.

DSC04997

Die zwei kleinen Mädchen das erste Mal auf der Weide.

Unser Entenpärchen war dieses Jahr der Meinung zu brüten und es schlüpften auch einige Küken. Doch leider hat der Herr Erpel zwei davon selbst auf dem Gewissen, sodass er ins Hühnergehege umziehen musste. Dort läuft er den ganzen Tag am Zaun entlang und schnattert mitleidserregend seiner Familie hinterher. Aber, selbst schuld und eine Weile muss er auch noch dort bleiben!

Ebenso traurig ist unser Kampf gegen die Natur, wenn es um die Jungtiere geht. Ein äußerst dreistes Krähenpaar hat sich in der Nähe eingenistet und einige Jungtiere (sowohl Hühner- als auch Entenküken) zum Frühstück verspeist oder ihren eigenen Jungen gefüttert.

Leider sind die derart schlau, dass unsere Versuche sie zu täuschen oder abzuhalten alle kläglich scheiterten. Die Hühnerküken leben seit dem in einem der alten Gewächshäuser, während die Entenkinder nun groß genug sind (und hoffentlich nicht die Aufmerksamkeit des Bussards auf sich ziehen) und dem Beuteschema entfallen.

Nebenan auf der Schafweide hat sich auch etwas verändert. Hohe, durchdringende Bääääää-Laute zaubern allen CityFarmern ein Lächeln auf die Lippen. Die Lammzeit ist vorbei und 5 tapsige, verspielte Lämmchen toben sich mit Kiki und Peterle auf der Wiese aus. Ein Quell der Freude diese putzigen Schäfchen! Die ersten Tage verbrachten die Kleinen mit Ihren Müttern im Stall und für eine Woche galt: anfassen verboten! Schafe sind da recht eigen und verstoßen auch mal ein Lämmchen, wenn der Menschengeruch zu aufdringlich an ihnen haftet. Doch alles gut gegangen, die Schafkindchen sind wohlauf und einige schon zutraulich, sehr zur Freude der Menschenkinder.

Lolek der Erstgeborene gerade ein paar Stunden alt.

Lolek der Erstgeborene gerade ein paar Stunden alt.

Zweimal brachten die Mütter Zwillinge zur Welt. Lolek und Bolek, zwei weiße Böckchen kamen zuerst. Danach zwei Mädchen, eine Schwarze und eine Fuchsfarbene. Dies ist etwas ganz, ganz Besonderes bei Skuddn und kommt bei 100 Lämmern nur 1x vor. Rein genetisch betrachtet ist die Farbe übrigens weiß.
Zuletzt erblickte ein schneeweißes Mädchen das Licht der Welt und fügte sich gleich gut in den Kindergarten ein. Es ist herrlich die Dynamik der Herde zu beobachten, welche Mutter gerade Aufsicht hat, wann zur Milchbar geladen wird und wie die Kleinen auf teils noch wackeligen Beinchen über die Weide hoppeln und spielen.

Bienenfang auf Russisch. Die Bienen haben Viktor erwählt.

Bienenfang auf Russisch. Die Bienen haben Viktor erwählt.

Auch die Bienen lud das Wetter zur Vermehrung ein. Gleich alle drei Völker schwärmten und konnten glücklicherweise recht schnell von uns eingeschlagen werden.
Der viele Regen und die warmen Perioden dazwischen, geben der Vegetation ordentlich Schub, sodass es überall grünt und blüht. Da freuen sich natürlich die Bienen über Nektar und Pollen. Die Jungvölker sind derart fleißig, dass die Beuten schon fast voll mit Brut und Honig sind!

Vor Kurzem brach ein wenig Panik aus auf der Farm, das Veterinärsamt kam zu Besuch. Ich sag euch so sauber und geschleckt sah die Farm selten aus! Daher ging auch unser Tag der Offenen Tür ein wenig unter aber wir hoffen allen Besuchern hat es trotzdem gefallen!
Zum Glück gab es keinerlei Beanstandungen, nur dass die Schafe und Ziegen noch Ohrmarken bekommen müssen.
Puh, da fiel uns aber ein Stein vom Herzen und es ist ein gutes Gefühl, wenn das Amt sagt: alles Bestens bei euch!

In den vergangenen Tagen, als die Sonne uns mit Sommer verwöhnte, begann unsere Heuzeit. Zumindest solange, bis sich die Gewitter mit viel Regen wieder einstellten.

Schaf- und Ziegenhüpfburg mit Baumimitation

Schaf- und Ziegenhüpfburg mit Baumimitation

Wie vor 100 Jahren mähten wir von Hand mit der Sense den vordere Teil der Wiese und wendeten das Heu 2x am Tag. Am Abend wurden Haufen gemacht, um das Futter vor der nächtlichen Feuchtigkeit zu schützen. Morgens nach Abtrocknen der Wiese dann wieder das Gleiche Spiel. Heu ausbreiten und 2x wenden.

Würde sich das Wetter an den Wetterbericht halten, hätten wir drei sonnige Tage hintereinander gehabt, genau die richtige Zeitspanne. ABER, naja, ihr wisst ja wie es gerade ist….
Also musste der trockene Teil des Heus schon am Abend des 2. Tages eingefahren werden. Da aber leider Labkraut und Wicke nicht so schnell trocknen wie Gräser, verblieb der noch feuchte Teil auf der Wiese, abgedeckt mit einer Plane und wartet auf sonnigere Tage zum Nachtrocknen.

Nun haben wir euch in Kurzform das Neuste vom Neuesten berichtet und wollen euch zum nächsten Tag der offenen Gartentür einladen.

Nächster Tag der Offenen Gartentür:

25. Juni 2016

14 – 18 Uhr


Wir sehen uns auf der CityFarm Augsburg!

Zum Abschluss ein kurzes Video von Augsburg TV, die waren nämlich auch zu Besuch. Im letzten Drittel geht es um die Farm.

 

 

Gemüse ohne eigenen Garten ernten

Flauschiger Nachwuchs auf der CityFarm!

Liebe CityFarm Freunde,

lange musstet ihr euch gedulden und auf einen neuen Artikel warten. Aber nun endlich ist es soweit und wir präsentieren euch unseren neusten Nachwuchs! Dazu hat Benni einen kleinen Artikel geschrieben, den mancher von euch schon vom Lagerfeuer in der Nacht der Sonnenwende kennt:

Ein neuer Star ganz frisch aus dem Ei gepellt. Foto: Armin Pawelka

Ein neuer Star ganz frisch aus dem Ei gepellt.
Foto: Armin Pawelka

.
Mitte Mai begannen zwei unserer Hennen ein äußerst merkwürdiges Verhalten an den Tag zu legen. Tagsüber verließen die beiden nur noch sporadisch ihren Stall um ein Häuflein vor unsere Füße zu platzieren, sich den Bauch in Windeseile mit Melone, Wurst und Körnern vollzustopfen, nur um dann 5 Minuten später wieder bis zum nächsten Morgen im Hühnerhäuschen zu verschwinden. Außerdem verloren ihre Kämme jedwede Farbe, während sie sich gegenüber Mensch und Tier, Artgenossen eingeschlossen, äußerst aggressiv zeigten. Dies äußerte sich durch eine nie dagewesene Geräuschkulisse wie Fauchen, lautes Geblubber, glucksendes Gegurre und dem inflationären Einsatz des Schnabels als Hieb und Stoßwaffe. Mit aufgestellten Federn, fauchend wie eine schlecht gelaunte Miezekatze, macht auch so ein kleines Hühnchen mächtig Eindruck.

Zeig her deine Federn, zeig her deine Flügelchen...

Zeig her deine Federn, zeig her deine Flügelchen…

.
Im ersten Moment dachte Benni an eine schlimme Krankheit, was zur Folge hatte, dass er sich panisch über die Newcastle-Krankheit und Co informierte, bis Ildi ihn lachenderweise über das Verhalten von brütenden Hennen aufklärte. So erklärte sie dem unwissenden Benni:
Aus Ermangelung eines Hahnes seien diese Eier, die unsere gefiederten Damen da bebrüteten, leider Gottes nicht befruchtet und würden bei konstanter Temperatur von 38 schlecht und begnnen irgendwann zu stinken.
Dementsprechend mussten wir erst einmal Eier mit „Hahnentritt“ organisieren und fanden diese bei den privaten gehaltenen Hühnern der Biogärtnerei Bucher ganz in der Nähe der Farm. Akademisch vorbelastet wie die Cityfarmer sind, wälzten wir umgehend Hühnerbücher und fanden heraus, dass man zwei gemeinsam gluckende Hennen unbedingt trennen müsse, da sie sich sonst gegenseitig die Eier mopsen würden. Wobei die Gefahr bestünde, dass einige kaputtgehen könnten. Versuch macht kluch.

Die Hühner wurden getrennt, dabei mit befruchteten Eiern versehen und in absperrbare, separierte Nester gesetzt. Kaum eine halbe Stunde später sitzen beide wieder im alten Nest auf den „original“ Eiern. Nachdem wir diesen Vorgang scheiternderweise 4 oder 5 mal wiederholt hatten, wagten wir das Eggsperiment: DOPPELBRUT.

Was soll denn nur die ganze Aufregung um 3 Babys, ich hab schon um die 30!

Was soll denn nur die ganze Aufregung um 3 Babys, ich hab schon um die 30!

Zu unserem Ärger waren die Bucherschen Eier nun mehrfach durchgekühlt so, dass daraus keine Küken mehr schlüpfen würden. Also begann unsere Suche von Neuem. Doch die liebe Steffi, Chefin des Jugendhauses Lehmbau in Hochzoll, erbarmte sich und trat uns einige befruchtete, bereits angebrütete Eier ab, die wir unseren Putschen standepedes unterschoben.
Da saßen sie nun. Und brüteten und brüteten und brüteten und brüteten… 21 Tage lang.
Während diese 21 Tage Brutzeit verbaute Benni gemeinsam mit CityFarmer Basti Stück für Stück das Hühnergehege und den Stall so um, dass ein kükensicherer Stall im Stall entstand. Weil die anderen, die Brutautomathühner, mit Bibberle angeblich so gar nichts anfangen können und die kleinen, laut Hühnerbuch, im schlimmsten Fall als leckere Eiweißquelle ansehen. Auch dies erwies sich letztendlich als Irrtum, denn die Hühnerschar legte gegenüber den ausbruchsfreudigen Baby-Hühnchen ein für Hühnerverhältnisse sehr achtsames und liebevolles Verhalten an den Tag. Was vielleicht an den sowohl außergewöhnlich dominanten als auch aggressiven Müttern liegen könnte. So war es dann Mitte Juni soweit. Ein mehrstimmiges Piepsen im Stall verriet, dass unser neuster Cityfarmnachwuchs ihren letzten Eidotter verzehrt, sich aus ihren Schalen befreit und das Licht der Welt erblickt hatte. Auf die Küken, noch feucht vom Ei, erhaschten einige Cityfarmer und Besucher einen Blick, wobei wir wiedereinmal bemerkten, dass niemand immun gegen das oft besungene Kindchenschema ist. Früh am darauf folgenden Morgen sägte der frisch gebackene Hühnerpappa Benni eine zweite Klappe ins Häuschen unserer gefiederten Freunde. Danach bastelte er ein kleines aber feines Außengehege mit Gestrüpp zum Verstecken und viel Schatten zum gemütlichen Sandbaden für die Mammies und ihre Kleinen.

Vollgefressen in der Chil-Area unterm Busch.

Vollgefressen in der Chil-Area unterm Busch.

Sogleich machte sich Ildi mit Tine, einer Freundin vom Ak Urbane Gärten (Lokale Agenda 21) auf, um beim Futtermittelhändler Kükenfutter zu erstehen. Unserer Abneigung gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen verhinderte dabei sehr effektiv, dass wir irgendwo sojafreies unbelastetes Kükenfutter finden konnten.Laut Futtermittelhändler gibt es das schlicht und einfach nicht mehr! Aber er will sich umsehen, da scheinbar immer mehr Hühnerhalter ihre Abneigung gegen Soja kundtun.
Da standen wir nun mit vier hungrige Mäulern, vier piepsenden flauschige Bollen und kein Futter zur Hand.
Wie hat man das denn früher gemacht als es noch keine kommerziellen Futtermittelhändler gab? Bei der Frage lachte der Herr Kratzer vom Hühnerhof in Gablingen, man hat ganz einfach auf die Ressourcen zurückgegriffen die sowieso vorhanden waren, die täglichen Essensreste! Soja ersetzt nur tierische Eiweiße welches sich glückliche Hühner durch Kellerasseln, Würmer, Kartoffelkäfer selber suchen oder durch wenig gewürzte Essensresten bekommen. Dazu gehört natürlich auch, sich ab und an ein Würstchen direkt vom Grill zu klauen. So bekommen unsere Kleinsten jeden Tag zwei Eimer Kompost gespickt mit Würmern und Asseln, mehrere Ränkel Wurst die Metzgereien täglich massig in den Müll hauen und ab und zu ein wenig Hirsebrei mit Milchpulver den es regelmäßig umsonst in diversen Containern zur Selbstabholung gibt. Die kritischen ersten Wochen sind nunmehr für 3 Küken glatt verlaufen und sie erfreuen sich bester Gesundheit auch ohne teures Kükenfutter. Eine unerfahrenes Kleines fiel leider schon früh einem melonenbedingtem Insektenstich zum Opfer. Grausame Mutter Natur…
Mit diesem theatralischem Schlusswort entlasse ich euch in einen hoffentlich schönen, sonnigen Sommeranfang und wünsche allen Gärtnerkollegen eine erfolgreiche Gartensaison.
Danke fürs Lesen!

Das flauschige Süßheitsstadium ist vorbei, jetzt wachsen die richtigen Federn!

Das flauschige Süßheitsstadium ist vorbei, jetzt wachsen die richtigen Federn!

Kleiner Nachtrag:
Mittlerweile haben die süßen Bibberle das Süßheitsstadium verlassen. Sie bekommen schon richtige Federn an den Flügeln und üben sich im Flattern, denn sie wollen den Zaun zum Schlaraffenland Komposthaufen baldmöglichst selber überwinden. Auch entfernen sie sich täglich mehr von ihren beiden Müttern, streunen auch mal ganz allein auf der Suche nach krabbelnden Leckerbissen unter den Apfelbäumen umher und haben sich wunderbar in die restliche Hühnerschar integriert.
Auch unser Dino, der übrigens vor wenigen Wochen selbst beschlossen und umgesetzt hat, wieder bei uns einzuziehen, beschützt die Kleinen als wären es seine eignen Jungen. Die Mütter dürfen unterdessen wieder seine Statthaftigkeit bewundern.
Der Kükenverschlag im Stall kann nun die Tage wieder abgebaut werden, denn schon nach 2 Wochen beschlossen Mütter und Küken lieber im Legenest, nahe der restlichen Schar, zu schlafen als im eigens dafür abgetrennten Bereich.
Alles in allem ist es für uns eine sehr spannende Erfahrung, denn unsere Tiere verhalten sich entgegen dem was in sämtliche Hühnerbüchern und -Internetforen geschrieben steht. Woran das liegt, könnten uns nur die Hennen sagen aber diese schweigen sich aus und stravanzen statt dessen fröhlich durch den Garten.
Sodenn wünschen wir euch ein beschwingtes „Goaaak“!

Eine gackernde Familie!

Eine gackernde Patchwork-Familie!

Was geht voran?

Ich denke erst einmal muss ich mich bei euch entschuldigen, dass wir solange nichts mehr von uns hören oder lesen ließen. Die Gründe reichen von einer dringend benötigten Auszeit, einer Verletzung meiner (Ildi´s) Hand und tausend anderer Dinge die erledigt werden wollten.

Deshalb bitte ich euch es uns nachzusehen, dass wir den Blog etwas ruhen ließen.

Sicher fragt ihr euch was mit der CityFarm jetzt im Winter los ist, wie es den Hühnern geht und ob es sonstige Neuigkeiten gibt. Diese Fragen wollen wir euch heute beantworten, weshalb der Artikel über die industrielle Legehennenhaltung etwas verschoben wird.

.

Neues von der Nackthuhnbande

Die Nackthuhnbande entwickelt sich großartig. Leider verstarb eine der schwächsten Hennen schon in der ersten Woche. Die beiden anderen Sorgenkinder jedoch haben sich gut erholt. Liegt bestimmt auch an der Fütterung, denn täglich gibts die feinsten Leckerein!

Jeden Tag andere Leckerbissen, von der Wassermelone bis zum Granatapfel.

Jeden Tag andere Leckerbissen, von der Wassermelone bis zum Granatapfel.

Mittlerweile verhalten sich die Hennen auch wieder wie es sich für Hühner gehört. Wir haben einmal den Pickversuch gemacht und eine handvoll Körner auf den Boden gestreut. Das Interesse der Tiere an den Körnern war zwar vorhanden, doch wussten sie nicht so recht etwas damit anzufangen. Eines der Tiere folgte dem Instinkt zu picken, bewegte sich dabei jedoch nicht von der Stelle und pickte nur wie verrückt auf einem Punkt herum.
Eine andere Henne folgte der Spur der Leckerbissen und pickte mal hier mal da, doch ohne ein einziges Korn zu erwischen. Die anderen standen mit fragendem Blick am Rand und wussten sich gar nicht zu helfen. Nun nach einigen Wochen finden alle gezielt die Körner, sie baden im Sand und benehmen sich wie Hühner!

Als wir ihnen das erste Mal Salat anboten, waren sie fast geschockt – was soll das sein, kann man das fressen? Heute sind sie für jeden grünen Bissen dankbar, wenn auch nicht so radikal wie unsere Gackerbande auf der Farm.

Doch auf die Stange traut sich immer noch nur eine Henne, die anderen haben wohl noch nicht entdeckt, dass sich Hühner auf Stangen sehr wohl fühlen.

Wagemutig auf der Stange.

Wagemutig auf der Stange.                                                          Die Federn sprießen schon und der Kamm ist nicht mehr farblos.

Im Vergleich zu unserer Hühnerbande hinken sie aber noch weit hinterher. Zwar sprießen schon die ersten Federn und die Tiere nehmen an Gewicht und Muskelkraft zu, doch es wird noch einige Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis sie sich von ihrem qualvollen Dasein in der Legeanlage erholt haben.

.

Es ist schön ein CityFarmer zu sein, auch mit kalten Fingern!

Jeden Morgen, sobald einer von uns halbwegs aus den Augen schauen kann, gleitet der erste Blick zum Fenster unserer Wohnung. Denn das tägliche Wetter ist für uns von elementarer Bedeutung, selbst in der Stadt. Ein Leben mit den Jahreszeiten. Ob Regen oder Schnee, ob Sonnenschein oder Sturm oder ob die Welt untergeht – die Tiere wollen trotzdem etwas zu futtern.

Wintermärchenland auf dem Weg zur CityFarm am morgen.

Wintermärchenland auf dem Weg zur CityFarm am morgen.

Noch bevor der Gedanke an Kaffee aufkommt, wird im Kopf schon die Kleidung für Mensch und Hund sowie das passende Rad ausgesucht. Die letzten 2 Tage sah das so aus: „Oah Schnee, schon wieder! Dabei wollt ich heut die Beete abharken. Warme Unterhose oder dicke Schneehose anziehen und keine Gummistiefel, Ronja anziehen, heißes Wasser für die Hühner mitnehmen, dickes Bike nehmen, um durch den Schnee zu pflügen. – jetzt Kaffee.“

Für jene die es nicht wissen, wir wohnen nicht auf der CityFarm, wie es auf einem normalen Bauernhof auf dem Land der Fall wäre. Wir wohnen in einer kleinen Wohnung ca. 1km von der Farm entfernt, sogar in der selben Straße aber die ist echt lang.

Was? Schon wieder Schnee? Da bleib ich lieber hier.

Was? Schon wieder Schnee? Da bleib ich lieber hier.

Jeden Morgen steht einer von uns mit der Sonne auf, schlürft einen oder zwei Kaffee, nascht etwas selbstgebackenen Kuchen und radelt, wenn es dann richtig hell ist (naja, so hell wie es an einem verschneiten Wintertag eben wird) zur Farm raus. Dabei bevorzuge ich (Ildi) den unbefestigten Weg hintenrum zwischen den Gartenanlagen hindurch, parallel zur Wertach. Benni dagegen radelt lieber die Straße entlang, er will nach alter Fahrradkuriermanier schnell ankommen.
Ich aber genieße den Morgen, halte unterwegs noch ein Schwätzchen mit dem alten Gärtnermeister Ernst, lasse Ronja mit den Hunden unterwegs spielen und liebe es die frechen Spatzen in den Hecken der Kleingärten zu beobachten.
Der Weg selbst ist verziert mit vielen Schlaglöchern, sodass ich sowieso nicht schnell fahren könnte. Außerdem erinnert mich der Weg an die Straßen meiner Heimat.

Vor allem aber wenn es geschneit hat verzaubert einen der Weg zur Farm und das frühe Aufstehen ist schnell vergessen.

Schon am Tor der CityFarm hört man Kaspar-David-Friedrich im Hühnerstall empört krähen. Da hat mein Schwätzchen wohl wieder einmal länger als die Geduld der Hühner gedauert. Also Hühnerstall auf und … keine Hühner. Nachdem eines der frechen Araukana seinen Wuschelkopf aus der Klappe gestreckt hat, ist selbst den Gackerfreunden ganz hinten klar: es liegt wieder Schnee.

Salli hat mittlerweile vor den Hühnern resigniert.

Salli hat mittlerweile vor den Hühnern resigniert.

An solchen Tagen lässt sich nur selten ein Huhn außerhalb des Stalles sehen, denn der Schnee zählt zu ihren verhassten Wetterlagen, wie Sturm und Hagel. Nur wenn Salli und Mario Freigang bekommen und ich mit Schubkarre und Rechen bewaffnet Kaninchengehege und Stall säubern will, zeigen sich plötzlich alle sieben Stück. Unauffällig schlüpft dann die Hühnerbande aus ihrem Gehege, unter der Schubkarre hindurch, ohne ein goack von sich zu geben, fast unsichtbar. Erst wenn alle im Kaninchengehege sind, geht die Party los – egal ob ich schimpfe und versuche die Bande hinaus zu jagen. Da wird gescharrt, Salatreste zusammengeklaubt, gegackert, sandgebadet und frech der Kaninchenstall auf den Kopf gestellt. Und wehe ich vergaß die Kiste mit Gemüse nach oben zu stellen. Innerhalb kürzester Zeit mutiert die Kiste mit Kaninchenfutter zum Schlachtfeld. Da fliegt die Petersilie, der Salat wird zerfetzt und es werden tiefe Löcher in die Kakis gehackt.

.
]

Es ist eine Freude den Hühnern zuzusehen wie sie sich jetzt im Winter auf alles Grüne stürzen und gierig runter schlingen. Klar gibt es auch kleinere Rückschläge. Zum Beispiel sollte man bei Minusgraden keine Eier draußen vergessen, die frieren nämlich durch und platzen. Oder wenn eines der Kaninchen aufs Nachbargrundstück ausbüchst und wir eine geschlagene Stunde damit beschäftigt sind, den Frechdachs wieder einzufangen. Oder eben, wenn Ildi sich am Morgen aus mangelnder Wachheit das Taschenmesser in die Handfläche rammt.

Niemals Eier im Frost liegenlassen!

Eier und Frost sind schlechte Partner.

Anstrengend? Klar! Aber glücklich!

Auch wenn es vielen Menschen stressig erscheint jeden Tag wegen der Tiere zeitig aufstehen zu müssen, 2mal täglich zu füttern, immer Futter heranzuschaffen und und und, ist es doch für uns immer wieder eine Freude. Es ist schöner für uns im Regen zur Farm zu radeln, als jeden Tag in ein tristes Büro zu gehen und dort seine Pflichtstunden abzuleisten.
Es ist schöner sich mal die Finger bei Eiseskälte am Morgen abzufrieren, als einen Job machen zu müssen den man hasst. Das ist jetzt keine romantische Träumerei vom idyllischen Landleben, denn es gibt auch Zeiten in denen die Arbeit uns über den Kopf wächst und wir ohne unsere Mitmacher auf der Farm ganz schön aufgeschmissen wären.
Aber ich weiß wovon ich rede, denn lange genug musste ich in stickigen Büros sitzen und durfte die Sonne nur hinter dem Fenster sehen. Ich weiß wie es ist jeden Morgen mit Bauchweh zur Arbeit zu stapfen und abends mit hängendem Kopf nur noch ins Bett zu wollen.

Erfolgreiches Containern Tag für Tag.

Erfolgreiches Containern Tag für Tag.

Deshalb bin ich dankbar, dass ich meiner Hände Kraft entdeckt habe und sich und hier die Chance bietet, etwas anders machen zu können. Ich liebe die morgendlichen Rituale mit den Tieren, die Arbeit mit den Kids an den Schulen und ebenso liebe ich es, nach einem harten Arbeitstag auf der Farm schläfrig am Lagerfeuer zu sitzen und später todmüde aber zufrieden in die Kissen zu sinken.
Es hat nie jemand behauptet Selbstversorgung sei leicht aber es macht von innen heraus glücklich!
Der Lohn ist kein theoretischer Gegenwert in Form von Papier.
Statt dessen belohnt mich der Gang in den Keller mit den Regalen voller Eingemachtem und unser überquellender Erdkeller, die täglichen grünen Eier und die Hühner, die mir im Garten hinterherlaufen. Ebenso die Kaninchen, die jeden Morgen erwartungsvoll auf mich zu hoppeln und natürlich das Lachen der Kinder.
Vor zwei Wochen zum Beispiel schrieb eine unserer Gruppen des Sozialpädagogischen Förderzentrums Christophorus Schule einen Test über unsere Exkursion zum Biberpfad – die ganze Klasse schrieb eine 2! Ich hätt vor Stolz auf die Kids platzen können!

Im Groß und Ganzen können wir uns die Zeit frei einteilen. Das ist ein Privileg in unserer heutigen Zeit, wo sich der Bewegungsfreiraum normalerweise auf das Wochenende beschränkt. Vor allem jetzt im Winter beschränkt sich die Arbeit auf der Farm aufs Füttern und ein paar Bauarbeiten. Mit Start der Gärtnersaison sieht das Ganze schon wieder anders aus und wir werden jede freie Minute im Garten verbringen. Nicht, dass es uns stören würde, im Gegenteil es ist wundervoll zu beobachten wie sich im Laufe der Gartenarbeit das erste Grün aus der Erde schiebt und du weißt: Yeah, in 2 Monaten erntest du die ersten Tomaten und nächste Woche den ersten frischen Salat des Jahres!

Warum ich euch dies erzähle? Nun, in letzter Zeit häufen sich die Fragen, wie wir mit unserem Experiment der Teil-Selbstversorgung klar kommen, ob es nicht zu viel körperliche Arbeit ist, warum wir das alles tun und ob wir glücklich damit sind.

Salat, Schnittkohl und Sibierischer Kohl wachsen schon im Februar.

Winterkopfsalat, Schnittkohl und Sibierischer Kohl wachsen schon im Februar.

Die Zeit ist im Wandel, das haben sicher schon viele bemerkt. Unsere Generation muss andere Wege gehen, als unsere Eltern es taten. Wahrscheinlich sind wir auch die erste Generation die weiß, dass sie nie wieder den Wohlstand und den Lebensstandart der Eltern erreichen wird. Deshalb heißt es andere Lebensmöglichkeiten suchen und ausprobieren, es wird Zeit Verantwortung zu übernehmen. Sei es für die Kaffeebauern in Afrika, sei es für gequälte Tiere der industriellen Fleischproduktion, sei es für die Energieproduktion und sei es für alle die nach uns kommen und auch noch eine lebenswerte Welt vorfinden wollen.

Blos keine kalten Füße bekommen!

Nur keine kalten Füße bekommen!

Bis vor wenige Jahren wurde eine solche öko-hippie Einstellung belächelt und sich auf dem erreichten Wohlstand ausgeruht. Nun aber ist es an der Zeit zu hinterfragen woher dieser Wohlstand stammte und auf wessen Rücken er aufgebaut wurde. Ich jedenfalls will nicht mehr, dass die arme Näherin in Bangladesch ihre Kinder nicht ernähren kann, weil sie keinen ausreichenden Lohn erhält. Ich will nicht, dass wegen meinem Kaffeekonsum in Südamerika Kinder auf den Plantagen arbeiten müssen. Ebenso will ich nicht mehr das absurde System der industriellen Nahrungsmittelproduktion unterstützen, die das Ökosystem, unseren Lebensraum völlig zerstört, nur damit alles billigbillig ist. Ebenso will ich nicht mehr daran beteiligt sein, dass jedes Jahr genauso viele noch gute Lebensmittel weggeworfen werden, wie verbraucht werden – so viele um alle Hungernden der Welt satt zu bekommen! Wir sind privilegiert schon allein deswegen, weil wir in der „westlichen Welt“ leben. Gejammert wird hier viel, auf höchstem Niveau, wie man so schön sagt. Aber wir haben doch alles: ein Dach über dem Kopf, jeden Tag mehr Essen als wir verzehren können und sogar Trinkwasser sprudelt aus der Wand.

Wer schon mal in Indien oder Afrika war, der weiß dass die Selbstverständlichkeit mit der wir dies alles hinnehmen, keine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Vielen Menschen wird eben dies bewusst und der Wille entsteht, andere Wege zu gehen. Auch hier in Augsburg wächst das Bewusstsein dafür. Allein in den letzten 2 Monaten hat sich so unglaublich viel bewegt! Es sind Gruppen und Initiativen entstanden, die Menschen finden zusammen und überlegen gemeinsam was getan werden muss, um einen postfossilen und ressourcenschonenden lokalen Weg einzuschlagen. Vom Contact in Augsburg und Transition Town mit der Idee des Ökodorfs, die Gruppe welche sich nach dem Film „Ökonomie des Glücks“ zusammenfand, über Donauwandel bis hin zu kleinräumigen Nachbarschaftsaktionen geht es voran in unserer Stadt.

All diese Menschen inspirieren uns jeden Tag aufs neue, geben uns Kraft und Mut weiterzumachen, denn manchmal scheint uns der Kampf gegen die Windmühlen zu groß. Aber dann steht plötzlich jemand auf der CityFarm, strahlt uns an und erzählt von seiner Idee ein Stück Wiese im Innenhof umzugraben, um für die gesamte Nachbarschaft einen Gemüsegarten anzulegen. Oder die Aktion Donauwandel, einer Art Thinkcamp für nachhaltige Ideen und Initiativen, die in Zusammenarbeit mit der Umweltstation Augsburg die CityFarm besuchen wollen!

Das ist großartig! Es geht voran! Danke euch allen!

Die Nackthuhnbande

Vor einigen Monaten gab uns Martin, unser Freund und Verpächter, einen Flyer von „Rettet das Huhn“.
Die Aktion beabsichtigte ca. 1600 Legehennen aus Bodenhaltung an neue Besitzer zu vermitteln, die den Tieren ein neues artgerechtes Heim geben. Martin wollte gern einer davon sein und erklärte sich bereit 10 Hochleistungslegehennen aufzunehmen. Gern standen wir ihm zur Seite, um den Hennen ein neues Heim zu bauen.

Zur industriellen Legehennenhaltung wird in den nächsten Tagen hier ein weiterer Artikel erscheinen, um euch die Tragweite des Problem zu zeigen. Natürlich mit Informationen was jeder von uns dagegen tun kann.

Aber nun zurück zur CityFarm. Zuerst musste also ein neuer Hühnerstall her und was bot sich besser an, als nebenan Martins alten LKW umzubauen. Dieser musste erst einmal ausgeräumt werden. Dabei kamen viele Möbel zum Vorschein, die wir dem Sozialkaufhaus Contact in Augsburg e.V. übergeben konnten. Roswitha und ihr Team kamen dafür spontan mit zwei Sprintern vorbei und schufen uns Platz zum arbeiten. Martin, Benni und weitere fleißige Helfer werkelten schließlich in den vergangenen Wochen am Innenausbau. Der LKW wurde gedämmt, verkleidet und geteilt, sodass zwei Räume entstanden. Der hintere Teil wurde zum Stall und der vordere zur Futterlagerkammer aufgerüstet.

Gestern war es nun soweit, die Hühner wurden im Hochsauerlandkreis aus einer Bodenhaltungsanlage vom Betreiber ausgestallt und durch neue Hennen ersetzt. Normalerweise würden die ausquartierten Hühner nach Holland oder Belgien zu Großschlachtereien transportiert werden. Doch die Aktion „Rettet das Huhn“ schützte die Tiere vor dem Schlachthof. Schon vor Ort im Hochsauerland fanden ca. 1000 Tiere neue Besitzer, die ihnen ein hühnergerechtes Leben geben wollen. Die restlichen Hennen wurden nach Süden gefahren, um sie an drei Haltepunkten weiteren Hühnerfreunden zu übergeben.

Letzte Arbeiten im Hühnerstall

Letzte Arbeiten im Hühnerstall

Doch am Vormittag war der Stall noch nicht ganz fertig! Es fehlte noch eine abwaschbare Bodenplatte, die Sitzstangen und ganz viel Stroh. Auch die Bestäubung des Raumes mit Kieselgur stand noch bevor.

Sicher fragt ihr euch was Kieselgur ist, das haben wir uns anfangs auch gefragt.

Kieselgur ist eine pulverartige Substanz aus den Schalen fossiler Kieselalgen, die Siliciumdioxid enthalten. Das Pulver wird zur Behandlung gegen Federlinge und Milben eingesetzt, da es den Chitinpanzer der Schädlinge austrocknet und die Insekten tötet. Damit werden alle Ritzen im Stall bepudert, um eine Ansiedlung der Schädlinge zu verhindern.

Kurz vor knapp wurden wir noch fertig, was wir vor allem unseren Helfern zu verdanken haben!

Umladen der Hühner am Rastplatz

Umladen der Hühner am Rastplatz

Gegen 15 Uhr ging es schließlich mit Martins Auto Richtung Autobahnkreuz Feuchtwangen. An einem kleinen Rastplatz der A7 sammelten sich schon die Hühnerfreunde, denn hier sollten Hennen ihren neuen Besitzern übergeben werden. Viele von ihnen leben auf dem Land und bieten den Tieren ein Kontrastprogramm zu ihrem bisherigen Dasein in der Legefabrik. Gegen 19 Uhr fuhr schließlich Wolfgang vom Eulhof mit den Hühnern vor. Ein Blick in den Anhänger und unsere Befürchtungen wurden bestätigt. Die Hennen waren größtenteils federlos und in einem erbärmlichen Zustand. Wenigstens besaßen sie noch ihre Schnabelspitzen, denn leider ist das Kupieren der Schnäbel Routine, um Federpicken und Kannibalismus in den Anlagen vorzubeugen.

Das Umladen ging schnell vonstatten und bald befanden wir uns wieder auf dem Heimweg. Unsere 10 Schützlinge beruhigten sich schnell und bald hörten wir vom Rücksitz nur noch Schnarchen. Ja, eines der Hühner hat wirklich geschnarcht aber leider wegen einer Atemwegserkrankung und nicht aus Wohlbehagen.

Verwirrte Hennen bei der Einzug in den neuen Stall

Verwirrte Hennen bei der Einzug in den neuen Stall

Eineinhalb Stunden später durften sie endlich in ihr neues Heim einziehen. Im Licht wurde uns dann erst das ganze Ausmaß sichtbar. Die Tiere sind klein, dürr, haben entzündete Hautstellen, Durchfall und nur wenige so etwas wie ein Federkleid. Sie stürzten sich auf das Futter als hätten sie Tage nichts gefressen, rannten wirr und gestört umher und boten einen jämmerlicher Anblick, der uns dreien das Herz weinen ließ.

Doch schon bald würden sie echtes Tageslicht und den Himmel sehen können! Es kann nur besser für sie werden!

Heute morgen besuchte Ildi die Hühner wieder und stellte fest, dass die angeborene Neugier in den Hühnern erwacht war.
Neugierig tapsten sie im Stroh umher und erkundeten den Stall. Besonders das Sandbad hatte ihr Interesse geweckt. In der Gruppe standen sie um die Kiste und guckten ratlos den Sand an. Man konnte ihren Schnäbeln beinahe die Gedanken ablesen, falls Hühner so denken. „Häh? Was soll das denn sein? Gaack. Futter? Nein, schmeckt nicht. Häh? Boackbackcack….

Andere versuchten scheinbar ihre kahlen Stellen am Körper mit Stroh abzudecken. So ein Verhalten hatte Ildi noch nie gesehen. Kalt konnte ihnen nicht sein, denn der Stall war gut geheizt.

Auch ein paar Eier fanden sich im Stroh versteckt. Die Hühner waren ihrem Instikt gefolgt und hatten kleine Nester in die Ecken gebaut. Die eigentlichen Legenester betrachteten sie statt dessen als eine Art Schutzbehausung in denen sich bis zu 5! Hühner gleichzeitig aufhielten (normalerweise passtnur ein Huhn bequem hinein). Wahrscheinlich entspricht die Enge ihren bisherigen Platzverhältnissen in der Legeanlage und sie tun sich mit der Umgebungsveränderung noch etwas schwer.

Die Schwächsten

Die Schwächsten

Liebevoll mischten Martin und Ildi das Futter an, eine Mischung aus Legemehl, Körnern, Bierhefe und Wasser. Die Mischung wird in den nächsten Tagen noch erweitert, um den Tieren eine gute Rundumversorgung zu geben und ihr Immunsystem zu stärken.
Die Umstellung ihrer Lebensverhältnisse zieht leider einige Probleme nach sich, denn der Infektionsdruck auf das Immunsystem verstärkt sich. Bisher wurden sie präventiv mit Antibiotika behandelt, um in den beengten Verhältnissen nicht vorzeitig zu versterben.
Auch das ist eine übliche Praxis der landwirtschaftlichen Massentierhaltung, was den Stoffwechsel der Tiere aber langfristig stark schwächt.
Jeder von uns kennt die Symptome, wenn wir ein Antibiotika verschrieben bekommen und wie lange es dauert bis der Körper sich davon erholt. So dauert diese Phase auch bei den Hennen entsprechend lange und das Immunsystem muss sich erst neu entwickeln.

Leider sind einige der Hennen in derart schlechter Verfassung, dass sie vielleicht die kommenden Tage nicht überstehen.

Die nackten Hühner

Die nackten Hühner

Diese Vermutung hat sich leider gerade noch einmal bestätigt, denn Benni kam eben vom Füttern zurück und erzählte von einem Hühnchen, dass zu schwach ist um überhaupt aufzustehen. Vorsichtig setzte er sie in den Futtertrog und wachte über die wackelige Futteraufnahme der Henne. „Den Blick dieses Huhnes werde ich nie vergessen,“ waren seine letzten Worte dazu.

Es ist furchtbar wie sich die Landwirtschaft seit der Industrialisierung entwickelt hat. Tierprodukte wurden zur billigen Massenware und das leiden der Tiere für ein Mehr an Kapital in Kauf genommen.  Und da die Nachfrage nach immer billigeren Produkten den Markt erst schafft, liegt hier die Verantwortung auch in den Händen der Konsumenten. Jede Packung Eier aus Bodenhaltung, jedes Produkt in denen solche Eier verarbeitet sind (z.B. Nudeln) unterstützt diese moralisch verwerfliche Tierhaltung.
Wir wünschen uns mehr Achtung gegenüber den Nutztieren!
Sie sollten ihre natürlich angeborenen Instinkte frei und ungehindert ausleben dürfen. Erst wenn wir Menschen ihnen das bieten können, sind wir berechtigt Partnerschaften zum gegenseitigen Nutzen einzugehen. Dazu gehört nicht die Ausbeutung der Lebewesen die in unserer Obhut stehen.

Wir hoffen nun erst einmal, dass alle Hennen die erste Woche überstehen und sich gut einleben. Wenn die Zeit gekommen ist, dürfen sie auch nach draußen und bekommen einen Mann an ihre Seite. Unser dicker Dino, der Araucana-Hahn, bekommt dann seine eigene Hühnerschar. Für die Hennen wird das eine Premiere, denn einem Hahn sind sie noch nie begegnet.

Dino bekommt bald seine eigene Hennenschar

Dino bekommt bald seine eigene Hennenschar